Tausende Jugendliche in Verden: „Eine wertvolle Mischung“

Eine Zeltstadt mit vielen jungen Menschen und einem großen Regenbogen.
Bild: Christian Dolle

1.800 Jugendliche haben sich vier Tage in Verden zum Landesjugendcamp getroffen. Das Wetter war nicht durchgehend trocken – aber Glaube, Diskussionen und Begegnung haben intensive Tage ermöglicht.

Dunkle Wolken ziehen über die große Wiese, der Wind zerrt an den kleinen und großen Zelten. Der Boden ist an den meisten Stellen aufgeweicht, immer wieder prasseln Regenschauer los. Dennoch laufen im sommerlich-maritim gestalteten Camp unzählige Jugendliche umher, organisieren schnell zwei Teams auf dem Volleyballfeld, stellen sich an den Food Trucks an und suchen in den großen Zelten nach den für sie passenden Angeboten.

Das Landesjugendcamp der Landeskirche Hannovers, veranstaltet von der Landesjugendkammer, ist das größte nicht-kommerzielle Festival von Jugendlichen für Jugendliche. Es findet alle zwei Jahre auf der Wiese des Evangelischen Jugendhofes Sachsenhain in Verden (Aller) statt. 1.800 Jugendliche kamen Mitte Juni – und das unbeständige Wetter schien für die meisten von ihnen überhaupt keine Rolle zu spielen.

Das Motto des diesjährigen Camps – „Auftauchen wo Glaube Wellen schlägt“ – findet sich auch auf einem der Wegweiser zwischen den Zelten. Die Jugendlichen brauchen diese Orientierung nicht mehr, sie haben längst gecheckt, dass in den großen Zelten, von den Sprengeln der Landeskirche zwischen Küste und Harz organisiert, vielfältige Angebote warten, bei denen alle das für sie Passende entdecken können.

Einige haben sich ganz gemütlich vor dem Regen zurückgezogen, um gemeinsam Brettspiele zu spielen. Andere begeistern sich für die „Jeopardy“- oder „Bares für Rares“-Shows, die auf den einzelnen Bühnen laufen. Wieder andere haben die Rollschuhbahn für sich entdeckt, einige nutzen jeden Sonnenstrahl, um draußen die vielen sportlichen Aktivitäten wahrzunehmen, bei denen sie sich mit Freundinnen und Freunden (vor allem auch neu gewonnenen!) richtig austoben können. Neben der Bauwagen-Kirche hat eine Gruppe das übergroße Jenga-Spiel für sich entdeckt. Andere haben sich in eine Ecke zurückgezogen, um die versunkenen Mauern von Atlantis aus kleineren Holzbausteinen neu zu errichten.

Auch inhaltliche Wegweiser bietet das Camp. So nehmen Jule Grote und Elske Gödeke beispielsweise ihren Flüsterfragen-Podcast live in einem Zelt auf. Vorher konnten Fragen in einen Briefkasten gesteckt werden, die die beiden nun sehr persönlich, ehrlich und nachdenklich beantworten. „Wie kamt ihr zum Podcast?“, fragt jemand. „Wir sind während Corona gestartet“, erzählen die beiden, ihre Idee traf beim Yeet-Netzwerk auf offene Ohren.

Die haben die Zuhörer auch bei der nächsten Frage nach der Vereinbarkeit von Abtreibung und Glaube. „Wir können hier natürlich nur unsere Meinung sagen“, macht Jule deutlich. Und Elske kommt zu dem Schluss: „Dein Körper gehört dir.“

Dann geht es noch um Hasskommentare im Netz, wo die beiden Podcasterinnen den Tipp geben, vieles einfach zu ignorieren oder zu löschen: „Weil die, die meckern oder Hass verbreiten in der Regel bei weitem nicht die Mehrheit sind.“ Die höre erfahrungsgemäß schweigend zu und sei dankbar für den Input. Ab und zu, räumen Elske und Jule ein, diskutieren sie aber doch mit Kommentarschreibern, denn sie haben auch festgestellt, dass manche hetzen, ohne überhaupt zu hinterfragen und diese dann wiederum erreichbar für Argumente sind.

Mehr Bedarf an Gemeinschaft und Austausch

Menschliche Begegnung, Spaß und zugleich die Einladung zu tiefem Austausch über Gott, Glaube, die Welt und das persönliche Leben – vermutlich macht genau diese Mischung das Camp für viele so wertvoll. „Das Leben ist schwer genug, daher ist auch der Spaß wichtig“, sagt Landesjugendpastorin Miriam Heuermann. Sie ist überzeugt, dass die Gemeinschaft in Verden Jugendliche resilienter machen kann. Gerade durch die Erfahrungen in der Coronazeit, sagt sie, hätten viele mehr Bedarf an Gemeinschaft und Austausch in der vielfachen Krisensituation unserer Welt. Die Vielfalt von Bibelarbeit über Taizé-Andachten bis hin zum abendlichen Rave begeistert Heuermann – genau wie die vielen anderen Haupt- und Ehrenamtlichen im Camp.

Und die Jugendlichen? Tanzen, beten, kicken und diskutieren vielfach mit. „Es wird nie langweilig“, sagen einige, „und außerdem gibt es leckeres und günstiges Essen.“ Auch das gehört dazu – ebenso wie der abgeteilte Schlafbereich, in dem eben kein Trubel herrscht und der auch als Safe Space fungiert. „Anfänge im Glauben“, einer der Schwerpunkte im landeskirchlichen Zukunftsprozess, sind in der Verdener Vielfalt jedenfalls mit vielen Formaten und Ideen schon jetzt sichtbar.

Christian Dolle / EMA