Kirche im Tourismus: Sonne, Spaß und Seelsorge

Wie die großen Kirchen in Niedersachsen Urlauber begleiten
Eine Beachflag mit der Aufschrift „Kirche unterwegs“ auf einem Campingplatz. Im Vordergrund fahren Kinder auf einem Fahrrad.
Bild: Jens Schulze

Spirituelle Kutterfahrten, Strandandachten, Gute-Nacht-Geschichten: Die kirchliche Kur- und Urlauberseelsorge will mit Angeboten dieser Art nicht nur „die schönste Zeit des Jahres“ gestalten, sondern auch Impulse für den Alltag danach geben.

Cuxhaven, Hannover. Die Quartiere auf den Inseln, an der Nordseeküste, in der Lüneburger Heide und auch im Harz sind gut gebucht, die meisten Bundesländer sind nun in den Sommerferien: Damit hat die „schönste Zeit des Jahres“ für viele Erholungssuchende begonnen. Evangelische und katholische Kirche machen jetzt in der Hauptferienzeit vielerorts Angebote, um Sonne, Spaß und Seelsorge zu verbinden.

„Wir laden Menschen aller Altersgruppen ein, Ruhe zu finden, Gemeinschaft zu erleben und Glauben neu zu entdecken“, sagt Wolfgang Rüther, Tourismus-Referent der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Durch die Verbindung von Naturerlebnis und Spiritualität „entsteht ein Raum, der Herz und Seele gleichermaßen berührt“.

Seelsorge mit Meerblick

„Heute unterbricht oft nur noch der Urlaub den Alltag, schenkt Abstand von dem, was einen antreibt, beschäftigt und erschöpft“, weiß Pastorin Maike Selmayr, Urlauberseelsorgerin im größten Nordseeheilbad Cuxhaven. „Urlaub und die Urlaubsseelsorge helfen, der Seele Raum zu geben und neue Perspektiven zu gewinnen.“ Es bleibe Zeit zum Nachdenken. „Dann können Dankbarkeit hochkommen, aber auch Trauer, Ängste und Sorgen.“

Darauf haben sich haupt- und ehrenamtlich Engagierte der beiden großen Kirchen in den Feriengebieten vorbereitet. Sie bieten Seelsorge mit Meerblick, die evangelische und katholische Kur- und Urlauberseelsorge auf allen bewohnten Nordseeinseln organisieren. Dazu viele Konzerte und Kleinkunst wie etwa in der „Blauen Stunde“ von Inselpastor Friedemann Schmidt auf Spiekeroog (Kontakt: friedemann@schmidt@evlka.de).

Die Web-Adresse www.bistum-osnabrueck.de/seelsorge-am-meer ermöglicht einen guten Überblick auf die katholischen Angebote auf den Inseln. Aber auch auf dem Festland ist viel los, so beispielsweise am Urlauber-Hotspot in Cuxhaven mit der einzigen evangelischen Urlauberkapelle an der Nordsee. Dort gibt es Einladungen zu christlicher Meditation, offenes Singen, Minipilgerwege in das „Duhner Paradies“ und, besonders beliebt, sonntags vor der untergehenden Sonne Strandandachten an der weithin sichtbaren Kugelbake. Auf der Website www.urlauberseelsorge-cuxhaven.net stehen alle Termine.

Eine Gruppe feiert eine Andacht am Strand.
Bild: Dieter Sell
Cuxhavens Urlauberseelsorgerin Maike Selmayr lädt regelmäßig zu Strandandachten ein.

Anker werfen zum Gebet

Andrang herrscht genauso bei den Kutterfahrten mit der „Gorch Fock“, die im August an jedem Dienstag im Hafen von Neuharlingersiel starten. „Zwei Stunden dauert die Fahrt“, beschreibt Organisatorin Heike Pendias den Törn, der auch zu den Seehundebänken vor Langeoog führt. „Vor Spiekeroog stellt der Kapitän den Motor ab und wirft den Anker: Weit weg vom Festland und vom Alltag singen und beten wir“, kündigt Diakonin Pendias (Kontakt: heike.pendias@evlka.de) an.

Einen besonderen Charakter hat die „Kirche unterwegs“ auf den Campingplätzen Neuharlingersiel, in Otterndorf und auf dem Südseecamp im Heideort Wietzendorf. „Unser Motto ist: Bei den Menschen sein“, so beschreibt es Pastor Jochen Löber, der als Camper auf Zeit mit seinem Team auf dem Platz in Otterndorf präsent ist. Es gibt Bastelaktionen und wie in Cuxhaven Gute-Nacht-Geschichten im Kirchenzelt. In Wietzendorf öffnet Diakonin Ruth Litzen (Kontakt: ruth.litzen@evlka.de) das „Café Kuddelmuddel“ als Treffpunkt für Begegnungen und Kreatives und bietet über Wochen ein großes Familienprogramm an.

Spirituelle Wanderungen im Harz

Auf dem Campingplatz sind neben dem Programm die Gespräche wichtig, die quasi zwischen Tür und Angel laufen: im Waschhaus, beim Geschirr-Spülen oder am Wohnwagen. Daraus wird nicht selten eine Kurzseelsorge, die bei Bedarf vertieft werden kann. „Wir haben Zeit, das ist wichtig“, sagt Urlauberseelsorgerin Maike Selmayr. „Wir wollen gastfreundlich sein“, betont der landeskirchliche Tourismus-Referent Wolfgang Rüther und fügt hinzu: „Da fragt niemand nach Religionszugehörigkeit und Kirchenmitgliedschaft, das interessiert hier nicht.“

Das gilt auch für die geführten Wanderungen, die Tourismus-Pastor Jörg Uwe Pehle im Harzer Land anbietet (Kontakt: joerguwe.pehle@evlka.de). „Am Ziel der Wanderung gibt es eine kurze Andacht als Stärkung für die Seele und einen Imbiss als Stärkung für den Leib“, wirbt er für die Touren. Ein Highlight wartet im September im Rahmen der Harzer Wanderwochen auf Interessierte: eine Sonnenuntergangswanderung über den Liebesbankweg um den Bocksberg in Hahnenklee.

Segen zum Sonnenuntergang

„Besondere Gottesdienste, Tauffeste, Begegnungen am Strand, ein Segen zum Sonnenuntergang – da entstehen Erinnerungen, die Kraft schenken und nachklingen, wenn der Urlaub schon zu Ende ist“, bekräftigt Wolfgang Rüther. Und Maike Selmayr betont, die Urlauberseelsorge lebe natürlich von der direkten Begegnung mit den Menschen am Urlaubsort. „Dennoch kann man sich auf der Website der Cuxhavener Urlauberseelsorge ein Stück davon nach Hause holen: durch Broschüren, Podcast-Andachten, Gute-Nacht-Geschichten, Onlinegottesdienste und Meditationsimpulse zum Download.“

Anregungen für kleine Urlaubsanker im Alltag bietet überdies die Website www.ganzhier.de mit Angeboten zur evangelischen Spiritualität, ergänzt Wolfgang Rüther. Veranstaltungsorte in Niedersachsen sind unter anderem die Klöster Lüne und Ebstorf, das Michaeliskloster in Hildesheim und die Kirchen der Stille in Hannover: Orte für eine persönliche Auszeit, ein Nachspiel für den Urlaub.

Dieter Sell (epd)