Zwischen Klostermauern, Kräutergarten und Konzerten: Priorin Christiane Nadjé-Wirth will das Kloster Amelungsborn als geistlichen Quellort weiterentwickeln.
Christiane Nadjé-Wirth ist erste Priorin des ehemaligen Zisterzienserklosters Amelungsborn: Abt Dr. Stephan Schaede hat die Superintendentin des Kirchenkreises Holzminden-Bodenwerder Anfang Juni in ihr Amt eingeführt. Als Priorin vertritt sie künftig Abt Schaede. „Die Änderung der Klosterverfassung 2021 war das Ankommen im 21. Jahrhundert“, sagte Nadjé-Wirth. Erst seit 2021 gehören Frauen regulär dem Konvent an.
Änderung der Klosterverfassung
Die Öffnung sei zugleich „nur folgerichtig“ gewesen, so Nadjé-Wirth. Das Kloster sei ein wichtiger geistlicher Ort für Männer und Frauen. Dort treffen sich die Familiaritas als Gemeinschaft von Brüdern und der ökumenische Frauenkreis als Gemeinschaft von Schwestern. Der Konvent hat die Aufgabe, zur Erhaltung des Klosters beizutragen und es in die Zukunft zu entwickeln. Dafür brauche es „verschiedene Gaben und Kompetenzen, die aber ja nicht vom Geschlecht abhängen“.
Nadjé-Wirth sei froh, dass dem Konvent mittlerweile vier Frauen angehörten. Ab Sommer sollen es fünf sein. „Damit ist auch die Anmutung des Exotischen vom Tisch.“ Ihre Einführung sei bewusst schlicht gehalten gewesen: kein eigener Festgottesdienst, sondern eines der klassischen Stundengebete: „Kein extra Gottesdienst, kein extra Aufwand, sondern das, was immer wieder die klösterliche Gemeinschaft trägt.“ Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr das „schlichte Ja“, mit dem sie und die neu aufgenommene Anja Janik geantwortet hätten.
Präsente Priorin sein
Als Priorin will Nadjé-Wirth vor allem dort präsent sein, wo das Kloster Menschen zusammenbringt . Sie wird häufiger bei Konzerten vor Ort sein. Außerdem begleite sie die ehrenamtliche Gruppe im Kräutergarten, halte Kontakt zur Kirchenpädagogik mit dem Campe-Gymnasium und wolle sich an Bildungsangeboten beteiligen. Bei Zukunftsfragen wird sie mit Schaede am „Runden Tisch Amelungsborn“ der Landeskirche teilnehmen.
Das Kloster beschreibt Nadjé-Wirth als „geistlichen Quellort“. Dies zeige sich für sie oft unspektakulär: im Blick auf die Rückseite der Klosterkirche mit einem knallrot blühenden Rosenbusch oder im Licht, das im dunklen romanischen Teil der Kirche durch die Fenster fällt. Besonders erinnere sie sich an das erste große Tauffest vor 17 Jahren. Nachdem 96 Täuflinge mit Familien und Gästen das Gelände verlassen hatten, sei sie allein im Kräutergarten stehen geblieben. „Ich habe tief durchgeatmet und war einfach nur dankbar und glücklich.“
Für die Zukunft Amelungsborns setzt Nadjé-Wirth auf geistliche Kontinuität und neue Kooperationen. Gruppen, die seit Jahrzehnten mit dem Kloster verbunden seien, sollten dort weiter „Kloster auf Zeit“ leben können. Zugleich müsse sich Amelungsborn stärker für Projekte mit Partnern öffnen, die verlässlich und wirtschaftlicher verantwortet werden könnten. Interessant sei die Idee, den Ort zu einem Fortbildungsort für Mitarbeitende in diakonischen Einrichtungen zu entwickeln. Wenn das Kloster dazu beitragen könne, dass Menschen in Kirche und Diakonie sich mit „christlichen Wurzeln, mit unserem Glauben und unserem Auftrag“ befassten, „dann wäre das wunderbar“.