Kloster Amelungsborn: Diakonie-Kooperation als eine mögliche Zukunft
Die Mitglieder der Landessynode haben die Beratungen über die Zukunft des Klosters Amelungsborn an den Finanz- und den Diakonieausschuss verwiesen. Der Theologische Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Dr. Ralph Charbonnier, führte das Aktenstück ein. „Es geht hier eben nicht nur um die Entscheidung über Tagungsräume“, sagte er. Es gehe um „Erfahrungsräume, also um Räume, die Glaubenserfahrungen ermöglichen“.
Die Synode hat beschlossen, das Aktenstück zur Zukunft des Klosters Amelungsborn dem Finanzausschuss zur Beratung und dem Diakonieausschuss zur Mitberatung zu überweisen. Das Landeskirchenamt (LKA) soll die Handlungsoptionen inhaltlich, organisatorisch und wirtschaftlich präzisieren. Analysen und Daten sollen vollständig vorgelegt werden. Zudem soll geprüft werden, ob die Verwaltung des Klosterbetriebs vom Kirchenamt Hameln-Holzminden gelöst und in eine Verwaltungsstelle der Landeskirche integriert werden kann.
Vier Szenarien für die Zukunft denkbar
Charbonnier stellte vier Zukunftsszenarien vor: Im Mittelpunkt stehe eine mögliche Kooperation mit der Dachstiftung Diakonie und dem Zentrum für Erwachsenenbildung DiaCampus. So könnte im Kloster Amelungsborn ein Haus für diakonisch-geistliche Bildung entstehen. Diakonische Träger stünden vor der Aufgabe, ihr evangelisches Profil in einer säkularen und multireligiösen Gesellschaft weiterzuentwickeln, sagte Charbonnier. Das Kloster könne dafür einen besonderen Erfahrungsraum bieten: „Diakonisches Handeln ist kirchliches Handeln“.
Weitere Optionen sind die Fortführung des Tagungsstättenbetriebs mit stärkerer Profilierung der Bildungsarbeit, eine Nutzung auf Selbstversorgerbasis sowie die Aufgabe der Tagungsstätte bei weiterer Nutzung der Klosterkirche. Das Klosterensemble müsse unabhängig von der Nutzung aus Denkmalschutzgründen erhalten werden. Für nutzungsunabhängige Erhaltungsaufwendungen wurde mit rund 850.000 Euro gerechnet.
In der Aussprache erhielt vor allem die vertiefte Prüfung der Kooperationslösung Zustimmung. Der Synodale Thomas Brandes (Sprengel Hildesheim-Göttingen) warb dafür, den Ort nicht vorschnell aufzugeben. Die Arbeit der klösterlichen Familie werde von vielen Ehrenamtlichen getragen und verdiene „besondere Anerkennung“. Amelungsborn biete „eine positive Chance“, sagte Brandes.
Hohe Baukosten unabhängig von der Nutzung
Mehrere Rednerinnen und Redner verwiesen darauf, dass hohe Baukosten unabhängig von der Nutzung anfielen. Der Synodale Dr. Uwe Brinkmann (Sprengel Hildesheim-Göttingen) sagte, man komme um diese Renovierungskosten „einfach nicht herum“. Dann mache es Sinn, jemanden „reinzuholen“. Dr. Bettina Siegmund zog einen Vergleich zur Gebäudedebatte in den Kirchenkreisen und -gemeinden. Amelungsborn habe aber – schon aufgrund der Verankerung in der Kirchenverfassung – besonderen Rang.
Regionalbischof Friedrich Selter (Sprengel Osnabrück) unterstützte die weitere Prüfung der Kooperation. Er hob die Verbindung von diakonischer Bildungsarbeit, Konventsleben, Kirchenkreis und Pilgerarbeit hervor. Wenn die Kirche den Rückbezug auf ihre Botschaft in die diakonische Arbeit eintragen wolle, habe das in einem Kloster „den allerbesten Ort“, sagte Selter.
Nachfragen gab es zur Tragfähigkeit einer eigenständigen Fortführung des Tagungsbetriebs. Der Synodale Maximilian Bode (Sprengel Stade) verwies darauf, dass dieses Szenario finanziell attraktiv erscheinen möge, aber von Voraussetzungen abhänge. Charbonnier sagte im Schlusswort, dafür brauche es eine Institution, die einen erheblichen Anteil der Tagungsstätte buche. Bei der Kooperation mit der Diakonie sei diese Perspektive vorhanden, bei der eigenständigen Fortführung derzeit nicht.
Mit der Überweisung an die Ausschüsse ist noch keine Entscheidung über die künftige Nutzung gefallen. Die weiteren Beratungen sollen auf Grundlage präzisierter Optionen und vollständiger Unterlagen erfolgen.