„Einfach heiraten“ in der Kapelle von 1790 und an 370 weiteren Orten

Kirche traut und segnet bundesweit Paare am Schnapszahldatum
Eine Hochzeitsgesellschaft begrüßt ein Paar, das aus der Kirche kommt.
Bild: epd-bild/Jens Schulze

Rund um das Schnapszahldatum 26.06.26 hat die evangelische Kirche bundesweit besondere Trauungen und Segnungen angeboten. Teils nutzten gleich Dutzende Paare das Event – an romantischen Orten wie in der St. Johannes Kapelle in Hannover-Davenstedt.

Hannover. Für Martyna und Leonardo Vollmar passt an diesem Tag einfach alles. „Für uns geht ein Traum in Erfüllung“, sagt der 37-Jährige. Ein Helfer zieht an einem Tau in historischen St. Johannes Kapelle in Hannover-Davenstedt und läutet so die Glocke noch per Hand. Langsam schreitet das Brautpaar dann am Freitag durch den Gang in den Altarraum. Die beiden gehören zu den wohl mehreren Tausend Paaren, die sich bei einer Aktion der evangelischen Kirche an diesem Tag bundesweit das Ja-Wort geben.

Martyna Vollmar ist Pastorin in einer Nachbargemeinde von Davenstedt. Dass der gemeinsame Kirchenverbund sich an der Aktion „Einfach heiraten“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zahlreicher Landeskirchen beteiligen würde, stand schon länger fest, erzählt sie. Doch dann kam ihr und ihrem Mann der Gedanke, sich dabei auch selbst kirchlich trauen zu lassen. Fast auf den Tag genau zwei Jahre zuvor war ihre standesamtliche Hochzeit. „Wir müssen uns jetzt nicht zwei Daten merken“, sagt die 40-Jährige mit einem Lächeln.

Event an rund 370 Orten

Rund um das Schnapszahldatum 26.06.2026 waren die Events an bundesweit rund 370 Orten geplant. Dabei trauen Pastorinnen und Pastoren oft den ganzen Tag lang standesamtlich bereits verheiratete Paare kirchlich. Alle weiteren Paare sind dazu eingeladen, einen Segen zu empfangen.

Die Feiern finden in historischen Kirchen und Kapellen wie in Davenstedt statt. Aber auch an ungewöhnlichen Orten wird dazu eingeladen: in eine Kneipe in Hannover oder auf eine historische Schwebefähre im Landkreis Cuxhaven, auf ein Riesenrad in Mainz oder in den Schanzenturm der Skisprungschanze Oberstdorf. Bei Temperaturen von teilweise deutlich über 30 Grad zählen auch Freiluftveranstaltungen wie am Nordseestrand von Bensersiel, an der Weser oder unter schattigen Bäumen von Klostergärten zu den Trauorten.

Ein Pastor verheiratet vor einem Altar in einer Kirche eine als Mann und eine als Frau lesbare Person.
Bild: epd-bild/Jens Schulze
Martyna und Leonardo Vollmar aus Hannover werden von Pastor Johannes Rebsch in der Alten Kapelle in Hannover-Davenstedt getraut. Die beiden gehören zu den wohl mehreren Tausend Paaren, die sich bei der Aktion „Einfach heiraten“ das Ja-Wort geben.

In Bayern läuft die Aktion schon seit 2023, mit zunehmendem Erfolg. Kamen dazu bei der Premiere noch 251 Paare an 13 Orten zu Segnungen und Trauungen zusammen, waren es im vergangenen Jahr schon 808 Paare an 56 Orten. Bundesweit zeichnet sich dieses Mal ein ähnlicher Trend ab.

Wer will, kann zur Trauung oder zum Segen sogar spontan vorbeikommen. Doch viele haben sich vorher angemeldet. Allein im evangelischen Kloster Loccum bei Nienburg sind es fast 50 Paare, wie Prior Arend de Vries berichtet. „Segne die Liebe“ heißt dort das Motto. Einige seien erst am selben Tag im Standesamt getraut worden, sagt de Vries. Andere wollen bei einer Trauerinnerung ihren Zuspruch nach 30 Jahren Ehe noch einmal bekräftigen.

Rückgang bei Trauungen

Die Aktion fällt in eine Zeit, in der nicht nur kirchliche Trauungen, sondern Eheschließungen insgesamt zurückgehen. 2025 heirateten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 348.700 Paare, 2019 waren es noch rund 416.300. Die evangelischen Landeskirchen trauten 2023 rund 28.000 Paare kirchlich, 2022 waren es noch rund 35.400. In der katholischen Kirche gaben sich 2025 knapp 19.500 Paare das Ja-Wort, dort waren es ein Jahr zuvor noch gut 22.500.

Rezept für die Ehe

Für die Paare an diesem Tag spielt all das keine Rolle. Sie genießen so wie Martyna und Leonardo Vollmar den festlichen Rahmen und die romantische Stimmung bei wenig eigenem Aufwand. Die kleine Kapelle in Davenstedt mit ihrem Fachwerk bietet Platz für gerade einmal 50 Personen und die Vollmars feiern im kleinen Kreis – ideal, sagt die Braut. Und ihr Mann ergänzt „Wir sind christlich geprägt und finden es sehr wichtig, auch vor Gott den Bund der Ehe einzugehen.“

Pastor Johannes Rebsch liest den Trauspruch vor: „Liebt einander mit aufrichtiger Zuneigung und habt Freude daran, euch gegenseitig Achtung zu erweisen.“ Wie ein Rezept für eine gute Ehe klinge das, sagt er, bevor sich das Paar das Ja-Wort gibt und die Ringe tauscht. „Ihr seid einander zum Segen geworden.“ Als die frisch Getrauten aus der Fachwerkkapelle treten, haben ihre Gäste bereits ein Spalier gebildet und begrüßen sie mit bunten Seifenblasen.

Karen Miether (epd)