Orgeln sind die Definition von Kultur
Im Gespräch erzählt Johanna Gröhn Veit darüber, was ihr am Orgeln so Spaß macht. Johanna ist studierte Kirchenmusikerin und als Sängerin in Leipzig tätig. Beim Gespräch dabei ist auch ihr Partner Enno, der ebenfalls Organist und auch Hochschullehrer für Orgel und auch Kirchenmusik ist.
Johanna erzählt weiter zur Besonderheit des Musikerdaseins: „Man lernt das Instrument kennen und es zeigt einem, was gut funktioniert. Bei Stücken, die man vielleicht schon mal ganz anders eingerichtet hat und dachte, so passt es gut zu mir‘, merkt man am Instrument‚ wir arbeiten zusammen‚ hier passt es ganz anders‘.“
Egal wo auf der Welt man in eine Kirche gehe, um an der Orgel zu spielen, spiele man immer auf einem Unikat, bekräftigt Enno. Wenn man irgendwo aus einem Flugzeug aussteige und finde einen gleich aufgebauten Mc Donalds oder Burgerking vor, so sei das Gleichschaltung. Die Vielfalt und Einzigartigkeit aller Orgeln auf der Welt, im kleinsten Dorf oder der größten Stadt, das sei für ihn die Definition von Kultur.
Eine gute Orgel mache aus, dass sie „in sich ein gutes Konzept habe“, also keine moderne Universalorgel, die alles können soll, sondern sozusagen „eine musikalische Idee“ habe, erläutern sie. „Bei romantischen Instrumenten geht es um die Melodie, das ist der Chef der Musik, und in alter Musik geht es um die Demokratie, also dass die Stimmen gleichwertig sind“, erklärt Enno, „und man kann im Instrumentenbau nicht beides gleichzeitig realisieren, das ist einfach Unsinn.“
Die eine Lieblingsorgel gibt es daher gar nicht, sagt Johanna. „Meist ist es die, wo man gerade ist und sich gerade wieder frisch verliebt hat.“ Sie stellen sich also auf die Orgel ein, mit der sie gerade „zusammenarbeiten“. „Es gibt natürlich auch Orgeln, da macht man einfach seinen Dienst, weil der Funke irgendwie nicht überspringt“, räumt sie ein, „dann macht man natürlich das Beste draus, aber am schönsten ist es natürlich, wenn man beflügelt wird.“
Zur Orgel kam Johanna tatsächlich durch das Orgelforum. Sie spielte zunächst Klavier, dann habe Annegret Schönbeck sie zu Jugendorgelkursen eingeladen. „Da durften wir auch selber spielen, was ja nicht selbstverständlich ist bei solch alten Instrumenten“, erinnert sie sich, „Der Übergang war dann ziemlich cool, weil das Pedal noch dazukommt und es eine ganz andere Art ist, die Tasten zu bedienen. Fortan nahm sie Unterricht und blieb bei der Orgel, „glücklicherweise“, wie sie es heute betrachtet.
Enno spielte zuvor schon in einer Rockband E-Bass, kam erst mit 16 zur Orgel, was er als relativ spät empfindet. „Aber ich habe durch die Orgel auch zur Kirche gefunden“, fügt er hinzu. Orgel und E-Bass schließt sich für ihn grundsätzlich nicht aus, da es in der Musik immer und überall Überschneidungen gibt. „Die Trennungen zwischen den musikalischen Genres sind ja menschengemacht“, formuliert er. Er sang in der Band, spielte ansonsten auch Schlagzeug, Klavier und Saxophon, dass er all das zur Seite legte, hat vor allem zeitliche Gründe.
Ihre Stimme ist für Johanna auf jeden Fall das zweite Instrument bzw. ist das Singen die Profession, mit der sie ihr Geld verdient. „Ich profitiere als Sängerin davon, dass ich Organistin bin und umgekehrt“, sagt sie. Nach dem Abi traf sie den Entschluss für die Musik bzw. die Kirchenmusik als beruflichen Weg. „Ich sagte mir, wenn ich Kirchenmusik mache, dann kann ich alles machen, was ich jetzt gerne mache, also Singen im Chor, vielleicht sogar Chöre leiten, Orgelspielen, Konzerte konzipieren, eigener Chef im eigenen Spielplan sein und nach Möglichkeit ne Gemeinde zu haben, in der man sich gegenseitig inspirieren kann und auch Projekte starten. Das war ne richtig coole Aussicht.“
Für beide ist Kirchenmusik etwas sehr Lebendiges, nichts Verstaubtes und Museales, sondern durch ihre Erfahrungen voller Kreativität, Miteinander und immer wieder auch neuer Ideen. Wer dies erleben möchte, sollte vom 26. September bis 9. Oktober 2026 bei den Orgelentdeckertagen vorbeischauen. Zahlreiche verschiedene Veranstaltungen wie Konzerte, Führungen, Musikgottesdienste und Mitmachaktionen laden dazu ein, die Orgel für sich zu entdecken.