Kirchliche Verwaltung: Mehr als trockenes Aktenstudium

Ole Hinnersen hat sich für das dreijährige Bachelorstudium Verwaltungswissenschaft entschieden
Eine junge als Mann lesbare Person steht an einem Geländer.
Bild: Jens Schulze

Kircheninspektoranwärter klingt etwas staubig – doch die Aufgaben in der kirchlichen Verwaltung sind spannend und vielfältig. Für den Bachelorstudenten Ole Hinnersen, der in der Evangelischen Jugend engagiert war, sind sie noch mehr: Sinn stiftend.

Schon am frühen Morgen klingelt im Landeskirchenamt in mehreren Büros zeitgleich das Telefon. Eine Mutter erkundigt sich nach den Kosten für einen Kitaplatz, während der Kollege zwei Türen weiter die Abrechnung für ein Gemeindefest vornimmt. „Danke“, hallt es gutgelaunt durch den Flur. Im nächsten Büro wird ein Mietvertrag für eine kirchliche Wohnung vorbereitet. Und nebenan bereitet sich jemand für eine Baustellenbesichtung vor: Ein Gemeindehaus soll energetisch saniert werden. Zwischen Personalfragen, Haushaltsplanung und Organisation zeigt sich: Kirchliche Verwaltung ist vielseitig, nah am Menschen – und macht die facettenreichen Angebote in den Kirchengemeinden erst möglich. Und einer, der das möglichen machen möchte, ist Ole Hinnersen. 

Wer ihn anruft, erhält ein fröhliches „Moin!“ zur Begrüßung. Hinnersen macht aus seinen norddeutschen Wurzeln keinen Hehl. Nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Kirchenamt Stade entschied sich der heutige „Kircheninspektoranwärter“ für das Bachelorstudium Verwaltungswissenschaft als Kirchenbeamter für die Landeskirche. 

Das alles klingt deutlich trockener, als es ist: Das dreijährige Studium mit viel Praxisbezug beinhaltet sechs Theoriephasen an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Niedersachsen, kurz HSVN, aber eben auch drei praktische Phasen im Landeskirchenamt in Hannover, in Kirchenämtern und außerhalb der kirchlichen Verwaltung.

Gestartet ist der inzwischen 23-Jährige im August vergangenen Jahres mit Fächern wie Verwaltungsrecht, Haushaltswirtschaft, Staatsrecht, Verwaltungswissenschaft und vielem mehr, was man später im Berufsalltag wirklich braucht. Welches Oles Lieblingsfach ist? „Bisher Zivilrecht, das gefällt mir richtig gut, da es im Alltag so praktisch ist – es ist einfach hilfreich, die eigenen Rechte zum Beispiel im Mietverhältnis oder auch beim Abschluss von sämtlichen Verträgen zu kennen.“

Ziel des Weges ist, dass sich die Studierenden in die verschiedenen Aufgabenbereiche der kirchlichen Verwaltung einarbeiten – sei es der Personalbereich, die Diakonie, die Immobilienwirtschaft, die Betreuung der kirchenleitenden Gremien auf allen Ebenen. Die Einsatzmöglichkeiten sind überaus vielfältig. 

„Kein grauer Titan in der Brandung“

Eine als Mann lesbare Person im Anzug und mit Krawatte.
Bild: Jens Schulze
Ausbildungsleiter Tim Brix.

Bereits in der Ausbildung wird großer Wert auf selbständiges Arbeiten gelegt, erklärt Ausbildungsleiter Tim Brix. „Praxisnähe ist uns besonders wichtig. Wir sind kein grauer Titan in der Brandung, sondern versuchen mit der Zeit zu gehen. KI ist zwar noch kein eigenes Unterrichtsfach, wird aber immer präsenter. Das dritte Praktikum kann gerne auch über die kirchliche Verwaltung hinausgehen.“

Ole Hinnersen ergänzt begeistert: „Über die Hochschule werden zum Beispiel auch Auslandspraktika mit Partnerkommunen vermittelt – Wien finde ich sehr spannend. Eine tolle Stadt – und deutschsprachig. Aber theoretisch ist vieles denkbar, was mit Verwaltung zu tun hat. Es gibt wenig, was nicht möglich ist.“

Voraussetzung für die Einschreibung zum Studium ist die Konfessionszugehörigkeit. Das ist für Ole, der sich für die Evangelische Jugend engagierte, ein wichtiger Punkt: „Mir ist der Inhalt meiner Arbeit wichtiger als nur die Bezahlung. Mein Glaube gibt mir Kraft, Sicherheit und das Gefühl, dass man nie allein ist.“

Mal sehen, wohin ihn sein weiterer Weg führt. Im Studiengang und auch in der Großstadt Hannover ist der Student jedenfalls gut angekommen. Die Dozenten seien fachlich und rhetorisch sehr gut und immer ansprechbar, die Hochschule habe zudem ein eigenes Wohnheim. Und die Partys? „Ja, ab und an sind wir schon feiern“, sagt der Stader und lacht. Das gehöre ja auch dazu zum Studium, nicht wahr?

Näheres zum Dualen Studium und den Bewerbungsmodalitäten findet sich unter www.kirchliche-verwaltung.de, Werbung dafür wird über Online-Stellenanzeigen und verstärkt auf Messen gemacht. Tim Brix ergänzt: „Regionale Kirchenämter, die Interesse daran haben, können sich unseren Messestand auch ausleihen und auf Berufsmessen präsent sein. Schließlich wünschen wir uns alle gut ausgebildete Fachkräfte als Kollegen!“

Mareike Spillner