„Der Segen war ein magischer Moment"

Eine männlich und eine weiblich gelesene Person halten sich im Arm, hinter ihnen eine Wand, auf der Engelsflügel und ein Heiligenschein gemalt sind.
Bild: privat

Als sie sich 1990 auf der Holztechnikerschule in Stuttgart kennenlernten, ahnten Robert und Sabine Muthmann kaum, wie lang und intensiv ihr gemeinsamer Lebensweg werden würde. Seitdem haben Wohnorte und Jobs gewechselt - aber geblieben ist trotz mancher schwerer Tage die Liebe. Und das hat aus Sicht der beiden Eheleute einen klaren Grund.

„Als wir im Traugottesdienst am 12. August 2000 Gottes Segen für unsere Ehe zugesprochen bekommen haben, war das wie ein magischer Moment“, sagt Sabine Muthmann, die mit ihrem Mann in der Region Hannover lebt und bei einem Orgelbauer im Büro arbeitet. „Für mich ist dieser Segen ein Dach und ein Schutz für das gemeinsame Leben. Das steckt für mich auch in diesem Versprechen, das wir uns gegeben haben: ‚An guten wie an schlechten Tagen‘. Zusammen mit dem Segen sagt mir das: Wir können gemeinsam nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Dieses Vertrauen ist unbezahlbar.“

Eine Braut und ein Bräutigma verlassen strahlend eine Kirche - schwarz-weiß-Bild.
Bild: privat
Sabine und Robert Muthmann nach dem Traugottesdienst am 12. August 2000.

Die Muthmanns sind beide in christlichen Elternhäusern aufgewachsen, sie kommt aus Oberfranken, er aus Bochum. Ihr Vater spielte Orgel in der lokalen Kirchengemeinde, seine Patentante war Pastorin. „Für mich war immer klar: Wenn ich mal heiraten würde, dann nur mit Gottes Segen“, sagt der heute 62-jährige Robert Muthmann. „Wir haben zuerst im Rathaus standesamtlich geheiratet und sind zu Fuß zur Kirche weiter, danach gab es ein großes Zelt im Garten, wo wir gefeiert haben. In dem Traugottesdienst hatte ich feuchte Augen, und auch wenn ich heute davon erzähle, ist das sehr bewegend. Das Leben, das dann folgte, hat uns voll in unserem Vertrauen aufeinander und auf Gott bestätigt.“

Auch Sabine, die heute 60-jährige Tischlermeisterin und Möbel- und Innenraumgestalterin, erinnert sich an eine „wundervolle und entspannte Gartenhochzeit mit wenig Aufwand und einer gewissen Lässigkeit“. Den Brautstrauß habe sie zwei Stunden vor der Trauung selbst gebunden, eine Hochzeitstorte gab es nicht. Wichtig war für die beiden Eheleute vielmehr das Versprechen füreinander und der Segen Gottes dazu. Bis heute, 26 Jahre danach, mache sich dieser Zuspruch in ihrem Leben bemerkbar.

Den Segen weitergeben

“Bei uns hängen jetzt nicht überall Kreuze und wir lesen auch nicht beständig in der Bibel“, sagt Robert Muthmann, der die gleiche Ausbildung und den gleichen Beruf wie seine Frau hat. „Aber wir wissen, was wir an Gott haben.“ Er habe sie bis heute durch gesundheitliche und berufliche Krisen und durchaus unterschiedliche Entwicklungen getragen: „Und Sabine und ich sind immer noch zusammen und kriegen das auch gut hin.“ Den Segen weitergeben - dabei helfen die beiden auch in der lokalen Kirchengemeinde, etwa bei Aktionen zum Valentinstag oder „einfach heiraten“. „Segen ist für mich ein Versprechen, das nie zurückgenommen werden kann“, sagt Sabine Muthmann. Das sollten möglichst viele Menschen erleben können.

Impuls: „Segen bedeutet: Gott geht mit uns“

Eine männlich gelesene Person in weißem Hemd lächelt freundlich vor einer Steinwand.

Kirchlich zu heiraten bedeutet mehr, als sich vor Gästen das Ja-Wort zu geben. Manche heiraten kirchlich wegen der ganz besonderen Atmosphäre, manche sind getauft, konfirmiert oder gefirmt worden, haben vielleicht wichtige Lebensmomente in der Kirche erlebt. Die Trauung knüpft daran an: Sie ist ein Schwellenmoment der Lebensreise.

In einer kirchlichen Trauung wird die Ehe nicht nur als privater Vertrag verstanden, sondern als Bund vor Gott. Man sagt: Unsere Liebe soll nicht nur auf unseren Gefühlen beruhen – wir stellen sie unter Gottes Segen. Wenn man glaubt, dass Gott das Leben trägt, ist es nur folgerichtig, auch die Ehe in seine Hand zu legen.

In der Bibel wird Ehe als lebenslange, verbindliche Gemeinschaft beschrieben - als eine von Gott gestiftete Ordnung. Die kirchliche Trauung macht sichtbar: Wir versprechen uns nicht nur etwas – wir vertrauen darauf, dass Gott uns dabei hilft, dieses Versprechen zu halten. In der Kirche wird das Versprechen vor der Gemeinde ausgesprochen. Das heißt auch: Wir stehen nicht allein. Andere tragen mit.
 
Der eigentliche Kern der kirchlichen Hochzeit ist der Segen. Menschen erleben: Liebe ist wunderschön – aber auch zerbrechlich. Der Segen sagt: Gott geht mit euch. Auch durch Krisen. Viele Paare spüren: Das gibt ihrer Ehe eine tiefere Dimension als nur Romantik oder Tradition - obwohl beides natürlich sehr wichtig sein kann.

Richard Gnügge ist Gemeindepastor in Hiddestorf (Kirchenkreis Laatzen/Springe) und koordiniert für die Landeskirche die Aktion „Einfach Heiraten“.

Alexander Nortrup/EMA