Wie viel Social Media sollen Konfis nutzen?

Vier junge Menschen sitzen auf einer Balustrade und haben Tablets, Handys und ein Buch in Händen.
Bild: oneichpunch/canva
Eine männlich gelesene Person mit kurzen blonden Haaren hält ein Mikro in der Hand und spricht.
Bild: Christian Dolle
Simon Burger ist Jugendpastor im Kirchenkreis Harzer Land.

Wie gehen Konfirmandinnen und Konfirmanden mit dem Thema Social Media um? Jugendpastor Simon Burger aus dem Kirchenkreis Harzer Land sagt: „Das ist ein spannendes, aber auch sehr schwieriges Thema. Auf dem Konficamp haben wir bisher kein generelles Handyverbot – aber klar bestimmte handyfreie Zeiten: beim Essen, bei den Andachten, beim Unterricht. Und im letzten Jahr haben wir erstmals die Handys über Nacht eingesammelt.“ 

Bei der Evangelischen Jugend im Oberharz wird dies ähnlich gehandhabt. Dort hatten die Konfirmandinnen und Konfirmanden im Dezember die Möglichkeit, einen eigenen Jugendgottesdienst über Weihnachtstraditionen aus aller Welt mit Hilfe von KI vorzubereiten. Der Tenor der Jugendlichen: „Für die Recherchen hatten wir das Handy in der Hand, dafür war es hilfreich. Aber sonst können wir auch gut darauf verzichten.“ 

"In manchen Situationen hilfreich, aber wir können auch gut darauf verzichten."

Eine junge, weiblich gelesene Person mit langen, blonden Haaren und schwarzer Jacke.
Bild: Mareike Spillner
Milena Hilmes ist Teamerin.

Dennoch ist der Umgang mit digitalen Medien im Kirchenkreis Harzer Land ein präsentes Thema. Bei den jährlichen JugendFilmTagen der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention (FSP) und dem Netzwerk Suchtprävention in der Region Osterode/Südharz spielt Medienkonsum eine zunehmende Rolle. Im März findet ein spezieller Elternabend zur Medienprävention an Osteroder Grundschulen statt. Und zum Jahresempfang des Kirchenkreises war Silke Müller, Bestsellerautorin, Digitalbotschafterin und Schulleiterin, online zu Gast, um über das Thema Medien und die Gefahren von Social Media und KI aufzuklären. 

Die 19-Jährige Milena Hilmes aus Duderstadt, seit 2021 Teamerin im Eichsfeld und aktiv in der Evangelischen Jugend, berichtet aus ihrer Perspektive: „Ich selbst verbringe durchschnittlich etwa vier Stunden pro Tag am Handy, wobei die meiste Zeit durch meine Ausbildung abends anfällt.“ Von dieser Zeit nutzt sie einen Teil für Social Media. Bei ihren Freundinnen und Freunden beobachte sie ein ähnliches Nutzungsverhalten. Vergleichbare Daten zeigt die JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, kurz MPFS, bei der 1.200 deutschsprachige Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt wurden. Laut der Studienergebnisse 2025 verbringen 18- bis 19-Jährige täglich über viereinhalb Stunden am Smartphone.

Über die Gefahren von Social Media und KI aufklären

Milena Hilmes ergänzt: „Eine grundsätzliche Altersbeschränkung für Social Media halte ich für sinnvoll. Allerdings fällt es mir schwer, ein genaues Mindestalter festzulegen. Plattformen wie Instagram sollten meiner Meinung nach vielleicht erst ab etwa 16 Jahren genutzt werden, da dort auch Inhalte vorkommen können, die für jüngere Kinder ungeeignet oder schwer einzuordnen sind.“ 

Ein sehr wichtiges Thema, das dazu anregt, sich mit dem eigenen Nutzungsverhalten und dem von Familienmitgliedern auseinanderzusetzen. Weitere Infos zur Mediennutzung bietet zum Beispiel die Seite des MPFS oder die EU-Initiative www.klicksafe.de  

Die Debatte

Cybermobbing, Suchtverhalten, jugendgefährdende Inhalte: In Australien und Frankreich wurden bereits gesetzliche Altersgrenzen für soziale Medien wie Instagram, Facebook, Snapchat oder TikTok eingeführt. In Deutschland laufen seit längerem politische Diskussionen über ein Mindestalter für Social Media. Zudem gründen sich Initiativen wie frühe Medienbildung und handyfreie Klassen, deren Schüler auch zu Hause bewusst auf Handynutzung verzichten. Die Politik fordert ein vollständiges Verbot für Kinder unter 14 Jahren, für Jugendliche unter 16 Jahren stark eingeschränkte Social-Media-Versionen. Auch die evangelische Medienbischöfin Dorothee Wüst hat sich offen für eine Altersgrenze ausgesprochen.

Mareike Spillner