Immer wieder freitags von 12 bis 14 Uhr ist im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Horst bei Garbsen richtig was los. Der Mehr-Generationen-Mittagstisch, kurz Mega-Mittagstisch, hat sich in den 14 Jahren des Bestehens über die Dörfer Frielingen, Horst und Meyenfeld hinaus einen Namen gemacht. Das 19 Ehrenamtliche umfassende Team aus Küchen-Feen, Kochfrauen und einem Kochmann um die hauswirtschaftliche Leitung Marion Weber ist in der kleinen Gemeindeküche schon seit 10 Uhr im Gange, um etwa 80 Personen mit Grünkohl zu bekochen. 35 Dosen Grünkohl und 25 Kilogramm Kartoffeln kommen auf den Tisch. „Das Team hat Freude daran, gemeinsam für andere diesen Mittagstisch zu gestalten. Nach dem Motto ‚Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind‘: Jeder bringt seine Stärken ein, dadurch entsteht eine tolle Gemeinschaft!“
Der Mega-Mittagstisch möchte auf die veränderten demografischen Bedingungen reagieren: In den Dörfern leben immer mehr Leute allein. Gleichzeitig erleben Kinder, deren Oma und Opa nicht vor Ort wohnen, keine älteren Menschen in ihrem Umfeld. Der gemeinsame Mittagstisch ist ein Angebot für verschiedene Lebensalter, sich ungezwungen zu begegnen und das Miteinander der Generationen zu fördern. Die Gäste erfahren nicht nur, was gerade in der Gemeinde los ist, sie finden auch ein offenes Ohr für ihre persönlichen Anliegen.
Konzeptionell mitentwickelt hat den Mittagstisch Diakonin und Kirchenvorstands-Vorsitzende Angelika Gensink. Sie ist heute immer mal wieder als Gast dabei und blickt auf die Anfänge zurück: „Als Freiwilligen-Managerin hatte ich gerade unabhängig voneinander zwei Frauen zum Gespräch, die sich ehrenamtlich in der Küche engagieren wollten. Ich brachte sie zusammen und wir waren schnell beim Thema Mittagstisch angelangt. Kurzerhand testeten wir die Angebote in der Umgebung durch – und guckten uns überall eine Kleinigkeit ab.“ So zum Beispiel das Wasser mit Zitrone. Schnell war klar, dass das Alleinstellungsmerkmal selbstgekochtes Essen sein wird – da musste ein Konzept mit klar abgesteckten Rollen in der Küche her. Immer eine Person hat die Kochmütze auf. So war 2012 die Idee eines wöchentlichen Mittagstischs für Garbsen-Horst geboren.
Anfangs kamen 30 Gäste, nun an die 100
Die ersten Termine waren für etwa 30 Mittagessen ausgelegt. Doch das Essen war so lecker, dass daraus schnell 50, dann 60 und schließlich sogar 80 bis 100 Gäste wurden – in zwei Stunden versteht sich. „Und es ist nach wie vor erstaunlich, wie die Damen in der kleinen Gemeindeküche diese Anzahl an Essen durchschleusen“, sagt Angelika Gensink anerkennend. Was es geben wird, steht schon Wochen im Voraus fest. Einige Gerichte wie Grünkohl, Grillbüfett oder Gulasch mit Rotkohl und Knödeln sind besonders beliebt. „Viele Menschen hier leben in Singlehaushalten. Sie geben die Rückmeldung, dass der Mittagstisch ihr Treffpunkt in der Woche ist – bei dem man ins Gespräch kommt, sich wiedersieht und auch mal neue Leute kennenlernt.“
Die Gäste seien im Wesentlichen 70 Jahre und älter - aber auch junge Familien und einige Handwerker kämen immer wieder. „Es hat sich herumgesprochen, dass es lecker Essen bei der Kirche gibt. Und das Team ist sehr umsichtig, schenkt nach – möchte den Menschen einfach etwas Gutes tun. Das kommt an – und macht das Herz des Ganzen aus.“ Nach dem Aufräumen und Abwasch kommt das Team bei Kaffee und Kuchen, der reihum gebacken wird, zusammen und tauscht sich aus. Dabei wird auch für den nächsten Freitag geplant. Wer ist Chefköchin? Wer bereitet was vor? Nach dem Mittagstisch ist schließlich vor dem nächsten Mittagstisch.