Bildungsaktivist: Thema Israel und Palästina an Schulen nicht ausblenden

Shai Hoffmann und Ralf Meister zum Thema „Wie sprechen wir über Israel und Palästina?“
Zwei Menschen diskutieren auf einer Bühne vor Publikum
Bild: Jens Schulze

Der jüdische Bildungsaktivist Shai Hoffmann sprach am Donnerstag in Hannover mit Landesbischof Ralf Meister über den Konflikt zwischen Israel und Palästina und gesellschaftliche Spannungen in Deutschland. Zu dem Abend hatten die Landeskirche und die Hanns-Lilje-Stiftung eingeladen.

Hannover. Der Sozialunternehmer und Bildungsaktivist Shai Hoffmann hat sich dagegen ausgesprochen, den israelisch-palästinensischen Konflikt an Schulen auszublenden. „Free Palestine“-T-Shirts und andere Symbole zu verbieten, sei nicht der richtige Weg, sagte der Jude mit israelischen Wurzeln am Donnerstagabend vor rund 200 Leuten im Sprengel Museum in Hannover bei der von Landesbischof Ralf Meister moderierten Veranstaltung mit dem Titel „Wie sprechen wir über Israel und Palästina?“.

Zu viele Lehrkräfte glaubten, dass Emotionen keinen Platz in der Schule hätten, so Hoffmann. „Wir müssen aber Räume schaffen, wo Schülerinnen und Schüler berichten können, wie es ihnen mit der Welt da draußen geht.“ Anderenfalls wanderten solche Themen ins Internet ab. Das Leben der Schülerinnen und Schüler sei von Social Media geprägt. Das führe in der Schule zu Unkonzentriertheit und der Ungeduld, komplexe Dinge oder Widersprüche auszuhalten.

Seit dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 besucht Shai Hoffmann gemeinsam mit Jouanna Hassoun Schulklassen in ganz Deutschland. Beide sprechen mit Jugendlichen über gesellschaftliche Polarisierung und Vorurteile, denen sie oft auch selbst ausgesetzt sind. Hassoun, aufgewachsen in einem libanesischen Flüchtlingslager und nach Deutschland geflohen, engagiert sich als Muslima mit palästinensischen Wurzeln in politischer Bildung, humanitärer Hilfe und interreligiösem Dialog. Auch sie sollte in Hannover sprechen, musste aber wegen einer Erkrankung kurzfristig absagen.

Ihr Programm an Schulen nennen die beiden „Trialog“, ihre Erfahrungen haben sie in einem gleichnamigen Buch aufgeschrieben. Das Gespräch mit den Jugendlichen sei möglich, weil er und Hassoun als Menschen greifbar seien, sagte Hoffmann. „Wir entblößen uns mit unseren Biographien, erzählen von unseren Eltern und Großeltern.“ Dabei habe er erleben müssen, wie es Gelächter gab, als er über das Schicksal seiner Familienmitglieder im Holocaust sprach. Die Schülerinnen und Schüler hätten das mit den heutigen Konflikten nicht in Verbindung bringen können, „der Transfer funktioniert nicht mehr“.

Im Gespräch über Israel und Palästina sei der erste Schritt der Annäherung die gegenseitige Akzeptanz des Leids und der Traumata. Auf beiden Seiten wollten Millionen Menschen in Frieden leben. „Und auf beiden Seiten gibt es Regierungen, die das nicht wollen.“ Von der deutschen Bundesregierung wünscht sich Hoffmann, dass sie etwa die israelische Siedlungspolitik „viel konsequenter anspricht und mit Konsequenzen belegt“. Dabei musste der in Berlin lebende Aktivist feststellen, „dass ich meiner eigenen Familie meine Sicht auf die israelische Politik immer schwerer vermitteln konnte“. Kritik an der Regierung sei für ihn legitim, der Vorwurf des Antisemitismus werde dabei oft instrumentalisiert. „Ich möchte Sie ermutigen“, so Hoffmann zum Publikum, „nicht aufzuhören, die israelische Regierung zu kritisieren“.

Die Landeskirche gestaltet seit 2018 gemeinsam mit der Hanns-Lilje-Stiftung jedes Jahr vor dem Reformationstag einen Gesprächsabend zum Verhältnis von Protestantismus und Judentum. Landesbischof Ralf Meister hatte die Reihe 2018 initiiert, als der 31. Oktober zum gesetzlichen Feiertag in vier norddeutschen Bundesländern wurde.

Lothar Veit | Evangelische Medienarbeit