„Ganztag ist mehr als Betreuung. Ganztag ist Lebenszeit“
Schon seit 20 Jahren gibt es an der Evangelischen Grundschule in Wolfsburg ein Ganztagsangebot, das von mehr als 90 Prozent der Kinder genutzt wird. Jetzt war Kultusministerin Julia Willie Hamburg zu Gast, um ein umgebautes Ganztags-Haus einzuweihen.
Wolfsburg. Hoher Besuch in der Evangelischen Grundschule Waldschule Eichelkamp in Wolfsburg: Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg war am Mittwoch in der Waldschule zu Gast, um ein neues Ganztagsgebäude einzuweihen und mit Schülerinnen und Schülern einen Birnbaum im Schulgarten zu pflanzen. Die Schule hatte ihr ehemaliges Hausmeisterhaus zu einem Ganztagsgebäude umgebaut und nach den Sommerferien in Betrieb genommen. Von den rund 227.000 Euro Ausbaukosten stammen 181.000 Euro aus Fördermitteln des Landes.
Schulleiterin Anja Gläsner-Weitkamp berichtete, dass von den rund 345 Schülerinnen und Schülern weit über 90 Prozent regelmäßig das Ganztagsangebot nutzten. Die Einrichtung des Baus sei nach den Wünschen und Ideen der Kinder gestaltet worden. Und auch über den Namen haben sie abgestimmt: „Waldhaus“ heißt das neue Domizil für den Ganztag, in dem Spiele und Musikinstrumente bereitstehen, eine große Terrasse mit Kicker, ein gemütlicher Raum zum „Chillen“ und vieles mehr. „Ganztag ist für uns kein Zusatzprogramm nach dem Unterricht“, sagte die Schulleiterin. „Und er ist schon gar keine bloße Betreuung, bis die Eltern Feierabend haben. Ganztag ist Lebenszeit.“
Gratulation zu dieser Schule
Kultusministerin Julia Willie Hamburg bezeichnete Wolfsburg als Vorreiterin in Sachen Ganztag. Sie dankte der Landeskirche, dass sie mit ihrem Schulwerk bei der Bildung einen so großen Schwerpunkt setze. An die Kinder gewandt sagte sie: „Ich kann nicht jede Schule besuchen. Umso mehr freue ich mich über Schulen, die mit ihren Ideen zeigen, wie gutes Lernen gelingt.“ Die Ausführungen der Schulleiterin hätten ihr gut gefallen. Den Kindern gratulierte die Ministerin zu ihrer Schule: „Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass hier viel dafür getan wird, dass ihr euch wohlfühlt, gut lernen und dabei eure Stärken entdecken könnt.“
Wolfsburgs Oberbürgermeister Dennis Weilmann bestätigte, dass die Stadt bereits viele Jahre vor dem seit kurzem geltenden Rechtsanspruch flächendeckend Ganztagsangebote an Grundschulen geschaffen habe.
Auch Kerstin Gäfgen-Track als Kuratoriumsvorsitzende des Evangelischen Schulwerks lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Wolfsburg, die mehr als die Hälfte der Ganztagskosten trägt. 2007 hatte das Schulwerk der Landeskirche Hannovers die Trägerschaft der Grundschule Eichelkamp übernommen. „Bereits seit 20 Jahren gibt es hier ein Ganztagsangebot, das beispielsweise von Mitarbeitenden eines großen Klinikums in der Nähe gern angenommen wird. Die Schule sorgt auch dafür, dass alle Kinder mit einem Frühstück im Bauch lernen können.“ Der Ganztag liegt in der Verantwortung des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen, die Angebote sind geprägt von den erlebnispädagogischen Inhalten des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder.
Lieder über Frieden und Kinderrechte
Gerahmt wurde die Veranstaltung von eindrucksvollen Songs über Frieden und Kinderrechte des Chorprojekts „Leuchtturmmusik“. Die Kinder des Chores haben mit ihren Lehrkräften Malaika Lehner und Volker Schlag ein ganzes Album mit selbstgeschriebenen Liedern aufgenommen.
Anschließend kam die Kultusministerin mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Sie erzählten, dass sie im Ganztag spielen, essen und neue Freunde finden, Quatsch machen und kreativ sein können. Auf Hamburgs Frage, was denn noch besser sein könnte, antwortete ein Mädchen: „Weniger Deutsch und Mathe.“ Als die Ministerin für die Fächer warb, weil lesen, schreiben und rechnen auch für alle anderen Fächer und Alltagsdinge wie Einkaufen wichtig seien, entfuhr dem Mädchen ein langgezogenes „Najaa…“. Eine andere Schülerin wünschte sich wenig später mehr Deutsch und Mathe – und Hamburg nahm die Vorlage auf: „Genau da fängt Demokratie an…“