Landesbischof Meister: Kirchengemeinden müssen Schutzräume sein

Eine männlich gelesene Person mit brauner Brillenfassung, kurzen grauen Haaren, grau-kariertem Jackett und hellblauem Hemd steht draußen und lehnt an einem Pfosten.
Bild: Jens Schulze

Angesichts eines raueren politischen Klimas sieht Landesbischof Ralf Meister die Kirchen in besonderer Verantwortung.

Hannover. Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse sieht der hannoversche Landesbischof Ralf Meister eine wachsende Bedeutung von christlichen Gemeinden als sichere Zufluchtsorte für Minderheiten und Schutzsuchende. „Kirchengemeinden sollten ganz naturgemäß ein Safer Space sein“, sagte Meister dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Sie müssen sich als Garant für einen respektvollen Umgang untereinander verstehen, für Gesprächsformate über Meinungsgrenzen hinweg und damit als Kitt für einen belastbaren Zusammenhalt.“

Dabei sei das bestehende Angebot für Menschen, die Schutz und Trost suchen, in den Gemeinden längst größer, als vielen im Alltag bewusst sei, betonte der evangelische Theologe. Durch die „erschreckende Entwicklung“ in Sachsen-Anhalt sei das gesellschaftliche und politische Klima rauer geworden. Das habe sich auch bei der Kommunalwahl in Niedersachsen gezeigt.

Einsatz gegen Antisemitismus

Die Kirche setze sich beispielsweise für den Erhalt des Kirchenasyls ein und habe Seelsorge-Angebote für queere Menschen, betonte der Bischof. Zur Bundestagswahl oder Kommunalwahl habe die Landeskirche den Kirchengemeinden Material wie Banner, Rechtsgrundlagen sowie Gottesdienstentwürfe kostenlos zur Verfügung gestellt.

Als ein weiteres konkretes Signal nannte Meister die kirchliche Initiative gegen Antisemitismus, an der sich aktuell 31 Gemeinden beteiligten. „Das Projekt hat zu einer differenzierteren Wahrnehmung von Antisemitismus geführt, das Bewusstsein für die Bedeutung unserer Demokratie gestärkt.“ Gemeinden lüden unter anderem Rabbinerinnen und Rabbiner ein, besuchten jüdische Gemeinden oder gratulierten zu jüdischen Festen.

Kreuz als Gütesiegel gegen Menschenfeindlichkeit

Ein herausragendes Ergebnis der generationenübergreifenden Zusammenarbeit sei ein neues Tora-Oratorium des jüdischen Komponisten Jean Goldenbaum, sagte der Landesbischof. Das Musikwerk solle am 3. Oktober in der Holzmindener Lutherkirche uraufgeführt werden. „Ohne das Projekt der Landeskirche gäbe es diese Komposition nicht.“

Eines gesonderten Siegels gegen Ausgrenzung bedürfe es in den Kirchen unterdessen nicht. „Wir haben dieses Gütesiegel bereits: das Kreuz“, stellte Meister klar. „Keine Kirchengemeinde ist für Menschenfeindlichkeit.“ Die Botschaft des Evangeliums für Nächstenliebe und Menschenwürde sei vollkommen eindeutig.

epd Niedersachsen-Bremen