Hinter dieser Summe steht die queere Öffentlichkeit
Ein Regenbogen aus farbigen Filzstreifen, daran an Fäden hängend bunte Regentropfen: Mit diesem Geschenk kam Pastor Theodor Adam jetzt in das Wohnheim für queere Geflüchtete in Hannover. Im Gespräch mit der Einrichtungsleitung und mehreren interessierten Bewohner*innen lüftete er später das Geheimnis: Hinter den Regentropfen verbarg sich die Summe der Spende, die Adam für das Haus im Gepäck hatte – genau 800 Euro.
Adam ist Beauftragter für Queersensible Seelsorge und Beratung im Zentrum für Seelsorge und Beratung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Als Pastor gestaltete er gemeinsam mit einem Team zwei Gottesdienste im Rahmen des Christopher Street Day (CSD) 2026 in Hannover: den Eröffnungsgottesdienst am Vorabend des CSD in der Marktkirche und den Gottesdienst auf der Opernplatzbühne am zweiten Tag der Veranstaltung. In beiden Gottesdiensten wurden Kollekten gesammelt, die Adam jetzt bei seinem Besuch in dem Wohnheim im Süden Hannovers überreichte. „Wir haben in den Gottesdiensten darüber informiert, wofür die Kollekten bestimmt sind“, sagt er. „Hinter dieser tollen Summe stehen also nicht nur wir, sondern die queere Öffentlichkeit in Hannover.“
Träger des Wohnheims für queere Geflüchtete ist der Johanniter-Ortsverband Hannover-Leine. Er steht in der Trägerschaft nicht allein: „Viele Kooperationspartner*innen ermöglichen die Synergien, die diese besondere Unterkunft erst möglich machen“, betont Einrichtungsleiter Alexander Geyer. So leiste der Fachbereich Unterbringung der Stadt Hannover ein aufwändiges Management, um eine gelingende Zuweisung in die Unterkunft zu erreichen. „Gelingend bedeutet hier, dass wir mit unserer Arbeit nahtlos und ohne eine erneute Outing-Anforderung an die Person anknüpfen können“, so Geyer. Die Kommunale Fachstelle für Migrationsberatung und die Beratungsstelle Checkpoint Hannover erweitern darüber hinaus die in der Unterkunft vorhandenen Beratungsmöglichkeiten.
Eine Reihe weiterer Partner*innen, die mit ihrer Expertise queerfreundliche Räume schaffen und politisch für die Rechte und den Schutz queerer Personen kämpfen, stehen Träger und Leitung ebenfalls zur Seite. „Diese Arbeit flankiert die hohe Motivation unserer Bewohner*innen, in Autonomie und Sicherheit anzukommen“, so Alexander Geyer.
„Wir als Johanniter haben uns dafür entschieden, uns die notwendigen Kompetenzen zur Trägerschaft für dieses Haus anzueignen“, ergänzt Janna Schielke aus der Kommunikationsabteilung des Johanniter-Ortsverbandes Hannover-Leine. Alexander Geyer und die Sozialarbeiterinnen Isabel Itzenga und Tara Billig als Team vor Ort gingen und gehen auf diesem Weg voran, immer in Kontakt mit den Bewohner*innen der Unterkunft. „Nur gemeinsam mit ihnen ist eine gute Lösung möglich“, sagt Itzenga. „Wir gehen immer wieder fragend auf sie zu, denn sie sind die Expert*innen für ihre eigene Situation und für das, was für sie ein sicherer Ort ist.“
Theodor Adam erkennt in dieser Haltung durchaus Parallelen zu seinem Arbeitsgebiet, der Seelsorge. „Auch wir gehen als Seelsorger*innen grundsätzlich davon aus, dass unser Gegenüber Expert*in für die eigene Lebenssituation ist“, sagt er.
Im Team und bei den Bewohner*innen des Wohnheims herrschte nach der Spendenübergabe große Freude, und erste Ideen für die Verwendung wurden in den Raum gestellt: vielleicht Pflanzen kaufen und einen Garten für alle anlegen? Oder Sonnenschirme für die Dachterrasse anschaffen? Wofür das Geld tatsächlich verwendet wird, wird sich erst in ein paar Tagen herausstellen: In einer Konferenz mit allen interessierten Bewohner*innen wird die Entscheidung fallen. Nur eins ist jetzt schon klar: „Das, was wir mit dem Geld tun, soll etwas sein, was Gemeinschaft stiftet und allen hier im Haus zugutekommt“, sagt Alexander Geyer.