„Die Zukunft der Kirche entscheidet sich daran, ob sie zuhört und wahrnimmt“

Landesbischof Meister überreicht Studienpreise des Klosters Loccum für besondere Leistungen
Eine größere Gruppe junger Menschen steht im Altarraum einer Kirche.
Bild: Lothar Veit

Loccum. In einem feierlichen Gottesdienst hat Landesbischof Ralf Meister am Samstag (4. Juli 2026) Theologiestudierende und Studierende der Fächer Religionspädagogik und Soziale Arbeit mit dem Studienpreis des Klosters Loccum ausgezeichnet. Der Preis fördert den theologischen und den diakonisch-pädagogischen Nachwuchs.

Seit 2007 wurden mehr als 500 angehende Theologinnen und Theologen für hervorragende Ergebnisse bei der Sprachprüfung oder der Zwischenprüfung ausgezeichnet. Seit 2022 wird auch der diakonisch-pädagogische Nachwuchs der lutherischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen gefördert. 16 der 33 Preisträgerinnen und Preisträger 2026 sind Studierende der Fächer Religionspädagogik und Soziale Arbeit – 14 Frauen und zwei Männer. Außerdem erhielten zwölf Theologinnen und fünf Theologen den Preis. Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer zeichnete eine Preisträgerin und einen Preisträger aus der Landeskirche Braunschweig aus.

Eine unabhängige, vom Konvent des Klosters Loccum berufene Auswahlkommission zeichnet mit dem Studienpreis hervorragende Studien- und Prüfungsleistungen im Grundstudium aus und fördert besondere Studienvorhaben. Den Grundstein für den Preis hatte Landesbischof i.R. Prof. Dr. Eduard Lohse mit einer Spende in Höhe von 40.000 Euro gelegt. Seit 2021 werden die Preise nicht nur innerhalb der Landeskirche Hannovers vergeben, sondern an alle Kirchen, die im Predigerseminar Loccum ausbilden (Braunschweig, Bremen, Oldenburg, Schaumburg-Lippe).

Landesbischof Ralf Meister, zugleich Abt des Klosters Loccum, zollte den Studierenden in seiner Predigt Respekt: „Sie werden heute für hervorragende Leistungen ausgezeichnet – und das mit gutem Grund. Wissenschaft verlangt Klugheit, Präzision und Beharrlichkeit. Ihre Ausbildung lehrt sie Wissen und zugleich eine Haltung.“ Erkenntnis brauche Zeit, betonte der Landesbischof. Er merke immer häufiger, dass ihm vieles zu schnell gehe. „Wir leben in einer Kultur der Beschleunigung. Alles drängt zur unmittelbaren Reaktion. Wer Trends früh erkennt, schnell reagiert und den angesagten Ton trifft, kann in kürzester Zeit enorme Reichweiten erzielen.“ Algorithmen seien inzwischen schneller als ein menschlicher Nervenimpuls.

Die Kirche müsse diesen Wettlauf nicht mitmachen, so Meister. „Wir haben mit Gott und den Menschen zu tun. Und wir haben eine Geschichte, die Bibel, die man selbst in der kürzesten Fassung, nicht in Sekunden erzählen kann. Es sei denn, man will sich lächerlich machen.“ Eine Trauerbegleitung oder ein Seelsorgegespräch mit einem Jugendlichen bräuchten Zeit. „Ich glaube, die Zukunft unserer Kirche wird sich nicht daran entscheiden, ob sie den Wettbewerb um Aufmerksamkeit gewinnt und immer schneller oder immer lauter wird. Sie entscheidet sich daran, ob Menschen ihr zutrauen, dass sie stehenbleibt, wenn jemand ruft. Dass sie zuhört, bevor sie antwortet. Dass sie wahrnimmt, bevor sie bewertet. Dass sie Räume schafft, in denen Menschen erfahren: Hier werde ich gesehen.“

Pastorin Dr. Vanessa Viehweger von der Studierendenbegleitung der Landeskirche Hannovers nutzte das Bild des Flaschenhalses, um die jungen Menschen auf ihr Berufsleben einzustimmen. Manchmal müsse man als Teil der Kirche da durch – dann dürfe es aber auch sprudeln. Für alle Preisträgerinnen und Preisträger hatte sie einen magnetischen Flaschenöffner mitgebracht. „Hängt an euren Kirchen“, sagte Viehweger. Wie ein Magnet sich leicht lösen lasse, so riet sie den Studierenden aber auch, sich ab und an zu lösen und unterwegs zu sein.

Lothar Veit / EMA