Chöre aus der Landeskirche begeistern Publikum in der Elbphilharmonie

Ein Chor singt in einer großen Konzerthalle
Bild: Claudia Höhne

Ein Konzert in der Elbphilharmonie zu hören, ist schon etwas Besonderes. Wie muss es erst sein, dort selbst aufzutreten? Zwei Chöre aus der Landeskirche Hannovers, der Kammerchor Canticum Novum aus Burgdorf und der Heinrich-Schütz-Chor Leer, haben es erlebt.

Hamburg. Einen Tag lang stand die Elbphilharmonie ganz im Zeichen des gemeinsamen Singens – und mittendrin zwei Chöre aus der Landeskirche Hannovers: der Kammerchor Canticum Novum aus dem Kirchenkreis Burgdorf und der Heinrich-Schütz-Chor Leer. Bei der Veranstaltung „Die Elbphilharmonie singt“ präsentierten sich 16 ausgewählte Vokalensembles aus Norddeutschland auf vier Bühnen im berühmten Hamburger Konzerthaus. Neben Konzerten luden spontane Workshops zu Improvisationen, Stimmexperimenten und Body Percussion ein.

Für den Burgdorfer Kammerchor war der Auftritt in Hamburg ein besonderer Höhepunkt. Aus insgesamt 99 Bewerbungen war die Mitwirkenden für das Festival ausgewählt worden. Chorleiter Martin Burzeya-Wille berichtete, dass der Chor nach einer besonderen Sommeraktion gesucht habe. Wettbewerbe seien für die Sängerinnen und Sänger weniger interessant gewesen. Durch einen Hinweis auf Instagram sei er auf die Ausschreibung aufmerksam geworden. Mit einem Video einer Probe im Ratzeburger Dom habe sich der Chor beworben. Die positive Atmosphäre innerhalb des Ensembles sei auf den Aufnahmen deutlich spürbar gewesen, sagte der Chorleiter.

Ein Chor singt in einer großen Konzerthalle
Bild: Claudia Höhne
Der Kammerchor Canticum Novum aus Burgdorf.
Ein Chor singt in einer großen Konzerthalle
Bild: Claudia Höhne
Der Heinrich-Schütz-Chor aus Leer.

Die Freude über den Auftritt war bei den Chormitgliedern groß. Für Tenor Michael Schimanski schloss sich mit dem Konzert ein persönlicher Kreis. „Ich bin in Hamburg geboren und habe da 20 Jahre lang gelebt“, erzählte er. Den Bau der Elbphilharmonie habe er nach seinem Wegzug aus der Ferne verfolgt. Besonders bewegt habe ihn, dass sein Vater als Klassikliebhaber zum Konzert gekommen sei. Seine inzwischen verstorbene Mutter wäre ebenfalls stolz gewesen, sagte Schimanzki. Deshalb sei der Auftritt in der Elbphilharmonie für ihn etwas ganz Besonderes gewesen.

Auch Chorsänger Burkhard Koenig zeigte sich begeistert. „Es war für mich eine geniale Möglichkeit, die Elbphilharmonie nicht nur von innen zu sehen, sondern auch die Akustik selbst auszuprobieren“, sagte er. Vorher hatte er das Konzerthaus noch nie besucht.

Abwechslungsreiches Programm

Musikalisch hatte Canticum Novum ein abwechslungsreiches Programm nach Hamburg mitgebracht. Zu hören waren unter anderem „Northern Lights“ des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo sowie zwei Vertonungen von „Cantate Domino“, dem Motto des Chores. Die Werke stammen von Vytautas Miškinis und Josu Elberdin. Darüber hinaus präsentierte das Ensemble das eindringliche Stück „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger, das unter dem Eindruck des zerstörten Dresdens komponiert wurde.

Ein besonderer Moment des Auftritts war die Interpretation von „Verleih uns Frieden“. Die Sängerinnen und Sänger verließen dabei die Bühne und verteilten sich im Raum. Flüsternd, summend und improvisierend bewegten sie sich zwischen den Zuhörenden. Die ungewöhnliche Aufführung erzeugte eine intensive Atmosphäre und bezog das Publikum unmittelbar in das musikalische Geschehen ein. „Das ist immer ein Highlight“, berichtete Chorleiter Martin Buzeya-Wille.

Auch für den Heinrich-Schütz-Chor Leer war der Auftritt in dem außergewöhnlichen Konzerthaus ein besonderer Moment. Die Sängerinnen und Sänger überzeugten mit Werken von Levente Gyöngyösi („Laudate Dominum“), Gustav Holst („I sowed the seeds of love“), Evita Rudzionyte („Evening Prayer“) und einer Eigenkomposition von Chorleiter und Kirchenmusikdirektor Johannes Geßner („Songs for the people“).

„Es war für uns eine große Ehre, mit dem Heinrich-Schütz-Chor bei ‚Die Elbphilharmonie singt‘ ein kurzes Konzert geben zu dürfen“, sagte Johannes Geßner. „Was für ein tolles Chorfest mit so vielen fantastischen Chören! An diesen Tag werden wir uns noch lange erinnern.“

Meret Köhne / Julia Fischer