Kirchen-Sprengel unterstützen Erklärung für Demokratie

Mehrere als Frauen und Männer lesbare Personen halten ein Banner mit den Worten Menschenwürde, Nächstenliebe, Zusammenhalt
Bild: Sprengel Stade

Vor zwei Wochen hatten sich die evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen in einer gemeinsamen Erklärung für die Demokratie ausgesprochen und vor antidemokratischen Tendenzen gewarnt. Nun stellen sich die Kirchenregionen hinter diesen Text.

Stade, Emden, Osnabrück. Die Sprengel der evangelischen Landeskirche Hannovers machen sich für die Demokratie und die Menschenwürde stark. In Statements unterstützten die Kirchenbezirke am Montag eine Erklärung der der leitenden Theologinnen und Theologen in Niedersachsen und Bremen zur Demokratie.

„Demokratie beginnt nicht in Berlin, sondern hier bei uns – auf dem Marktplatz, im Gemeindesaal, am Küchentisch. Sie lebt davon, dass Menschen mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Dafür machen wir uns als Kirche stark“, sagte Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer am Montag in Emden.

Auch Regionalbischöfin Sabine Preuschoff, Repräsentantin der evangelisch-lutherischen Gemeinden im gesamten Elbe-Weser-Raum, unterstützt die Kampagne. Gemeinsam mit den Leitenden Geistlichen der neun Kirchenkreise des Sprengels Stade verbindet sie damit ein aktives Eintreten für Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt.

Warnung vor „antidemokratischen Tendenzen“

Die leitenden Theologinnen und Theologen der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen hatten Anfang Mai eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Explizit warnen sie darin vor „antidemokratischen Tendenzen“ und benennen dabei auch ausdrücklich die AfD. Führende Vertreterinnen und Vertreter der Partei äußerten sich verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch, heißt es in der Erklärung. Und weiter: „Mit Sorge beobachten wir, wie Wut, Ausgrenzung und Verachtung den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben.“

Sabine Preuschoff schließt sich dem an: „Für mich als Christin ist die AfD nicht wählbar, denn deren Positionen sind mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar.“ Die Partei spreche bestimmten Menschen ihre Würde ab und stehe damit nicht in der Tradition des christlichen Menschenbildes.

Kirche müsse aber weiter den Dialog suchen. „Wir haben als Kirche die Aufgabe, Menschen nicht auszuschließen, sondern im Gespräch zu bleiben.“ Den populistischen Parolen der Ausgrenzung halte die Kirche das Eintreten für Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt entgegen. „Ich werbe dafür, dass wir auf der Basis dieser Werte Brücken bauen statt zu spalten. In Konflikten ist es notwendig, die Würde der anderen zu achten, auch wenn wir ihre Ansichten und Überzeugungen für falsch oder sogar für gefährlich halten.“ Preuschoff wies darauf hin, dass genau dieser Dialog an vielen kirchlichen Orten geschehe.

Kirche muss den Dialog suchen

Auch Schiermeyer beklagte, dass vereinfachende Darstellungen und eine abwertende Sprache in der Gesellschaft an Präsenz gewinnen: „Das steht in Spannung zu den Werten, für die wir als Kirche einstehen. Unser Anliegen bleibt es, die von Gott gegebene Würde jedes Menschen zu achten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.“

Der Osnabrücker Regionalbischof Friedrich Selter sagte, Populismus und rechtsextreme Parolen gefährdeten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Sie spalten Menschen und untergraben Vertrauen in die Demokratie.“ Christinnen und Christen könnten nicht Leute sein, die Hass säen oder Menschen nach ihrer ethnischen Herkunft und ihrer Identität unterschiedlich bemessen. „Deshalb kann für mich als Christ eine Partei, deren führende Vertreter unsere demokratische Ordnung infrage stellen, keine Alternative sein.“

Anlass der kirchlichen Wortmeldungen ist der Tag des Grundgesetzes am 23. Mai. An diesem Tag wurde 1949 das Grundgesetz verkündet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat deshalb für dieses Datum zu einem deutschlandweiten Mitmachtag aufgerufen.

epd / EMA