Burgdorf. Vor der St.-Pankratius-Kirche in Burgdorf herrscht fröhliches Stimmengewirr an einem Tisch, hinter dem auf Bannern das Wort „ZusAMmEN“ im Wind flattert. Wer näher kommt, erkennt Leonardo da Vincis berühmtes Gemälde von Jesus und seinen Jüngern am Tisch und kann darunter die Einsetzungsworte zum Abendmahl lesen.
„Ich finde es gut, dass wir als Gemeinde nach draußen gehen“, meint Martin Harttung, während sein Blick über die am Tisch sitzenden Gäste schweift. Er sei seit über 50 Jahren in dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Burgdorf in der Kantorei engagiert, erzählt er mit einem kleinen Lächeln und ergänzt: „Was Erfolg haben will, muss an der Basis passieren, davon bin ich überzeugt“. Eine ältere Dame mit Rollator ergänzt: „Hier kommen Leute zusammen, die sich nicht kennen, das ist schön“.
Dies sei auch mit die Idee zu diesem Abendmahl der besonderen Art zum Gründonnerstag gewesen, bestätigt Pastorin Louisa Pandera, Pastorin in Ahlten und für PopUp-Formate und Segen im Kirchenkreis Burgdorf zuständig. Sie entwickelte gemeinsam mit Pastor Valentin Winnen die Idee: mit Häppchen, Traubensaft, Wasser und Musik Menschen zum Gespräch einzuladen - bei der Umsetzung halfen viele haupt- und ehrenamtliche Mitglieder des Kirchenkreises mit.
Schon nach kurzer Zeit versammeln sich im Schatten der Kirche die ersten Gäste an dem Tisch mit der weißen Decke und den schwarzen Stühlen, während Pastor Winnen, Pastorin Friederike Grothe und Kirchenvorsteher Klaus-Dieter Müller mit kleinen Tabletts mit Kanapees umhergehen und so mit Passantinnen und Passanten ins Gespräch kommen. Auf der Tischdecke liegt eine Glasplatte, auf die die Gäste Namen von Menschen schreiben können, mit denen sie gerne wieder einmal an einem Tisch sitzen würden – egal, ob sie noch leben oder schon tot sind. „Das Thema des Abendmahls erinnert sowohl an Karfreitag, an Trauer und Tod als auch an die Aussicht auf die Auferstehung Jesu Christi“, erläutert Pastorin Pandera. „Wir möchten mit unserem Angebot auch auf die Bedeutung der heiligen Woche und der Ostertage aufmerksam machen, die weniger bekannt sind als es bei Weihnachten der Fall ist. Es geht darum, zu zeigen, dass etwas, das vor 2.000 Jahren passierte, heute noch Bedeutung haben kann.“
Nach ein paar Stunden sind alle 250 Kanapees verteilt, einige Gäste bleiben bis zum Schluss am Tisch in Gespräche vertieft sitzen. „Das ist auch der Grund, warum wir unseren Standort nicht wie geplant nochmal geändert haben“, erzählt Pastor Valentin Winnen. Er ist mit der Premiere der Veranstaltung „ZusAMmEN“ zufrieden: „In der Kirche haben wir zusätzlich das klassische Abendmahl angeboten, das ebenfalls gut angenommen wurde. Für alle sichtbar zu bleiben – dazu konnten wir heute beitragen.“