„Wir brauchen mehr Beziehungsarbeit“

Serie: Was macht eigentlich eine Landessynode? / Interview mit Nina Hollung
Eine weiblich lesbare Person an einem Rednerpult
Bild: Jens Schulze/Landeskirche Hannovers

Die Landessynode leitet als eines von fünf kirchenleitenden Gremien der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers die Geschicke unserer Landeskirche. Bevor sich Mitte Februar die neue Synode bildet, stellen wir einige ausscheidende Mitglieder und ihre Arbeitsschwerpunkte vor.

Frau Hollung, Sie scheiden nach sechs Jahren aus der Landessynode aus, waren im Öffentlichkeitsausschuss und im Präsidium. Wie blicken Sie auf diese Zeit?

Nina Hollung: Ich war sehr gern Teil der Synode und hatte zwei konkrete Anliegen: Zum einen wollte ich ein flächendeckendes Fundraising für die Landeskirche einführen und aufbauen, wollte eine Förderung für Kirchenkreise erreichen, damit Fundraisende angestellt werden können. Mein Ziel: Hauptamtliche und Ehrenamtliche stärken, um vor Ort Fundraising zu machen. Denn diese sollen Menschen vor Ort und für Kirche begeistern können. Das hat richtig gut geklappt! Mein zweites Ziel war eine Imagekampagne für die Landeskirche. Die hat sich in Teilen angehen lassen, etwa mit der Einrichtung der Social-Media-Stellen und der Mitgliederkommunikation. Insgesamt finde ich es irre, wie viele Gestaltungsmöglichkeiten man als Einzelperson in den Ausschüssen hat. Man kann alle Fragen stellen, Dinge bewegen und an Vorgaben mitarbeiten, die dann bindend sind. 

Welche Entwicklungen bleiben Ihnen im Kopf?

Hollung: Aus dem Öffentlichkeits-Ausschuss war es zum einen das Fundraising-Konzept: Wir haben es geschafft, dass die Landeskirche dafür fast drei Millionen Euro zur Verfügung stellt, damit Kirchenkreise Unterstützung bekommen und ihre Projekte vor Ort angehen können. Das ist mittlerweile sehr erfolgreich. Die meisten Kirchenkreise haben jetzt einen Fundraising-Bereich, der früher gern belächelt wurde. Nun hat das Fundraising einen ganz anderen Stellenwert. Wir brauchen die Beziehungsarbeit, sonst treten Menschen aus der Kirche aus. Darauf zahlt auch die Mitgliederkommunikation ein: Dass jedes Mitglied künftig regelmäßig Post bekommt, ist toll, da ist Musik drin.

Ein ganz wichtiger Arbeitsbereich war für die Landessynode dann natürlich auch das Thema Prävention und Aufarbeitung Sexualisierter Gewalt. Ich habe im Präsidium sehr darauf gedrungen, dass betroffene Personen vor der Synode sprechen oder ihre Worte zitieren lassen können. Es hat viel Kraft gekostet, Schutzkonzepte zu erarbeiten, es gab Beratungen mit einer Traumatherapeutin und mehr – jede Entscheidung war ernst abgewogen. Es gab letztlich Anfeindungen für manche Dinge, aber auch Dankbarkeit. Die nächste Synode darf dieses Thema nicht aus dem Blick verlieren, denn auch wenn die Präventionsarbeit ausgeweitet wurde und die Fachstelle personell stärker aufgestellt – damit endet es noch nicht.

Wie beurteilen Sie, wo wir in diesen Themen als Landeskirche insgesamt stehen?

Hollung: Beim Präventionsthema sind wir auf dem Weg, aber im Grunde gerade erst losgegangen. Da muss die Arbeit weitergehen, vielleicht mit einem eigenen Ausschuss. Auch der Social-Media-Bereich sollte nicht zu den Akten gelegt werden – die Gesellschaft wandelt sich und wir brauchen Player, die digital unterwegs sind. Das ist Beziehungsarbeit in der Hosen- oder Handtasche – viel intensiver als ein Gemeindebrief, der nur alle drei Monate im Briefkasten landet. Es ist wichtig, dass es dafür jetzt Stellenanteile gibt und die Influencerinnen und Influencer eine professionelle Begleitung und Unterstützung haben. Sie erreichen zehntausende Menschen und eine Zielgruppe, die wir als Kirche sonst wenig erreichen. Für die Zukunft wäre eine Entfristung des Projekts wünschenswert und vielleicht auch eine Ausweitung auf weitere Berufsgruppen. 

Was möchten Sie den neuen Synodalen oder generell Menschen, die Kirche mitgestalten wollen, mitgeben?

Hollung: Sie sollten Mut und Energie haben, nachzufragen und sich nicht vor vermeintlich dummen Fragen scheuen. Sie haben die Chance, ernsthaft nach den Konsequenzen von Gesetzen oder Bestimmungen zu fragen, Neuerungen anzuregen, Dinge in Bewegung zu bringen. Auch eine einzelne Idee kann viel bewegen. 

Christine Frank/EMA