„Kirchenmusik ist eines der wichtigsten Handlungsfelder“

Serie: Was macht eigentlich eine Landessynode? / Interview mit Jan Meyer
Ein Mann in einem schwarzen Pullover steht hinter einem Rednerpult, im Hintergrund hängt eine lila Flagge, auf der Landessynode steht.
Bild: Jens Schulze

Die Landessynode leitet als eines von fünf kirchenleitenden Gremien der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers die Geschicke unserer Landeskirche. Bevor sich Mitte Februar die neue Synode bildet, stellen wir einige ausscheidende Mitglieder und ihre Arbeitsschwerpunkte vor.

Jan Meyer, Sie waren sechs Jahre Teil der Landessynode als Vorsitzender des Ausschusses für Kirchenmusik und Mitglied im Ausschuss für Theologie und Kirche. Wenn Sie jetzt nach sechs Jahren auf die Synode zurückblicken, wie blicken Sie darauf zurück?

Jan Meyer: Es ist eine große Herausforderung, so ein Amt zu führen. Man braucht viel Zeit, um sich in die Strukturen und Prozesse der Landessynode einzuarbeiten und ihre eigenen Spielregeln zu verstehen. Gleichzeitig wurde man schnell von erfahrenen Synodalen und dem Landeskirchenamt an die Hand genommen, sodass man schnell selbst schwimmen konnte. Sobald man das System verstanden hat, lässt sich gemeinsam richtig was gestalten. Natürlich haben alle Synodalen eine ganz eigene Vision, aber wir alle wollen die Kirche zusammen voranbringen. Und das Miteinander, das war immer sehr gut!

Und welche Entscheidungen oder auch Entwicklungen sind Ihnen da besonders im Kopf geblieben aus der Zeit?

Meyer: Wenn ich jetzt auf den Zukunftsprozess schaue, geht es nicht um einzelne Entscheidungen, sondern darum, was die Kirche in den nächsten Jahren verändern muss. Alle kirchlichen Handlungsfelder werden weiterentwickelt – manche bekommen Schwerpunkte, andere werden vielleicht zurückgestellt.

Wenn ich die Kirchenmusik betrachte, würde ich ganz bescheiden sagen: Das ist eines der wichtigsten Handlungsfelder. In den letzten Jahren hat die Landessynode erstmals einen eigenen Ausschuss für Kirchenmusik und Kultur eingerichtet – vorher war das Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Dieser Ausschuss hat die Kirchenmusik in den vergangenen sechs Jahren strategisch massiv vorangebracht.

Was ist passiert seit der Gründung des Ausschusses?

Meyer: Wir haben die Kirchenmusik-Landkarte erstellt: Wer spielt, wo gibt’s Posaunenchöre, Gospel, Bands, Orgel- oder Klavierbegleitung. Vor sechs Jahren hatten wir das nicht. Jetzt sehen wir, dass etwa 50.000 Menschen aktiv musizieren – das ist eine krasse Zahl, die wir vorher nicht kannten.

Außerdem hat der Ausschuss den Kirchenmusikentwicklungsplan konzipiert. Auf Basis von Sitzungen und Denklaboren wird eine Perspektive entwickelt, wie sich Kirchenmusik unter verändernden Rahmenbedingungen – Nachwuchsmangel, knappe Finanzen – weiterentwickeln kann.

Wie würden Sie beurteilen, wo die Landeskirche in Bezug auf Kirchenmusik steht?

Meyer: Wir haben ein starkes Hauptamt mit rund 150 Kirchenmusikern und Kirchenmusikerinnen. 150 Menschen sind also bei uns hauptamtlich tätig und sorgen dafür, dass das wichtige Ehren- und Nebenamt unterstützt und gefördert wird. Und wir haben rund 1.300 Musizierende, die im Neben- und Ehrenamt mitspielen.

Die Landessynode hat den Kirchenmusikentwicklungsplan beschlossen, damit klar wird, dass Kirchenmusik eine zentrale Säule für die kirchliche Zukunft ist. Der Entwicklungsplan liefert konkrete Empfehlungen zu Ausstattung, Ausbildung und Nachwuchsgewinnung für Nebenamtliche. Jetzt müssen die Pläne in die Tat umgesetzt werden – das ist die Aufgabe der neuen, der 27. Landessynode. Wir kommunizieren zwar gut, aber oft fällt es schwer, die Angebote zu verbreiten.

In dieser Legislatur wurden regionale Zentren für Pop‑ und Kirchenmusik geschaffen (beispielsweise ein Aus- und Weiterbildungszentrum in Hannover, ein Ausbildungsnetzwerk Hildesheim/Göttingen), so dass musikalische Aus-, Fort- und Weiterbildung regionalisiert wird. Das Michaeliskloster bleibt ein zentraler Ort für unsere Kirchenmusik, aber wir streben an, die Strukturen flächenweit auszubauen.

Des Weiteren gibt es jetzt ein Kirchenmusikgesetz – ein klarer rechtlicher Rahmen, der die Praxis erleichtert, sichere und klare Arbeitsbedingungen festhält und Kirchenmusik für die Zukunft rechtlich gut aufstellt.

Eine große Herausforderung bleibt: Hauptamtliche zu gewinnen. Ein Drittel unserer Musizierenden wird in zehn Jahren in den Ruhestand gehen, und es stehen bundesweit etwa 30 neue Leute pro Jahr zur Verfügung. Der Quereinstieg aus Bereichen wie Musikpädagogik, Popmusik oder Lehramt ist entscheidend und wird im Plan unterstützt.

Was möchten Sie den neuen Synodalen oder generell auch Menschen, die Kirche mitgestalten wollen, mitgeben?

Meyer: Mut, Entscheidungen zu treffen. Wir wissen nicht genau, wohin die Kirche sich bewegt, aber wir müssen entscheiden, ausprobieren und auch wieder verwerfen, wenn es nicht der richtige Weg war.

Wichtig ist auch, nicht überall zu kürzen – finanziell und persönlich. Stattdessen gezielt in jene Bereiche zu investieren, die die Kirche nach vorne bringen. Kurz gesagt, wünsche ich der neuen Landessynode ein bisschen Wagniskapital für die Zukunft.

Angéique Schienke-Bohn/EMA