„Wir haben den Klimaschutz wirklich nach vorne gebracht“
Die Landessynode leitet als eines von fünf kirchenleitenden Gremien der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers die Geschicke unserer Landeskirche. Bevor sich Mitte Februar die neue Synode bildet, stellen wir einige ausscheidende Mitglieder und ihre Arbeitsschwerpunkte vor.
Frau Dröge, Sie scheiden nach 18 Jahren aus der Synode aus. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Gunda Dröge: Die 18 Jahre waren eine spannende Zeit und es hat sich unfassbar viel geändert. Vor 18 Jahren war alles sehr formalistisch – Damen in Kostümen, Herren in Anzügen und Krawatten. Das hat sich gelockert, und damit auch der Umgangston. Was ich persönlich positiv empfunden habe, war, dass die Jugend mit ins Boot genommen wurde. Wir haben dafür gesorgt, dass Jugendliche in der Synode signifikant vertreten sind. Ein paar Schwierigkeiten hat das aber auch mitgebracht: Menschen in ihren Zwanzigern haben eine berufliche Dynamik, die es erschwert, das Synodengeschäft nebenbei zu machen. Die Abbrüche treten schneller auf, weil junge Leute oft nicht die vollen sechs Jahre Perspektive bieten können.
Ich selbst war in den ersten sechs Jahren im Ausschuss für Theologie und Kirche. Das war für mich ein bisschen schade – ich lernte viel, konnte aber nicht viel beitragen als Nicht-Theologin. Als ich dann in den Umwelt- und Bauausschuss wechselte, war das anders. Dort hatte ich das Gefühl, zum Großen und Ganzen beitragen zu können. Weil ich erkannt habe, dass man sich nicht nur nach Neigung die Ausschüsse aussuchen sollte, sondern vor allen Dingen nach dem, was man einbringen kann; wie zum Beispiel die berufliche Expertise.
Welche Entscheidungen oder Entwicklungen bleiben Ihnen im Kopf?
Dröge: Was mir die letzten Jahre am meisten im Kopf bleibt, ist der Klimaschutz. Er ist endlich wirklich nach vorne gebracht worden und ich sehe, dass wir jetzt dranbleiben müssen – sonst wird das Thema wegen der ganzen Einsparungen einfach vergessen. Wir haben 2007 den Klimaschutz angeschoben, dann gab’s ein bisschen Bretterbohren und hartes Schwarzbrot essen, bis wir das Klimaschutzgesetz bekommen haben. Die Verpflichtung für die Kirchenkreise bedeutet im Grunde das gleiche wie das allgemeine deutsche Klimaschutzgesetz. Ich finde es sehr wichtig, dass wir die Basis haben und daraufhin dran arbeiten – es geht um Kleinigkeiten wie Beschaffungskriterien, Müllvermeidung, die Blühwiese nebenan. Das ist kein Hexenwerk, man kann mit kleinen Dingen schon viel beitragen. Und wenn man das sensibel macht, finde ich das richtig und gut. Wir sind da schon recht weit vorne. Ich bin im Kirchenvorstand, im Kirchenkreisvorstand – also in der Basis. Und das Thema ist bei den Menschen an der Basis angekommen.
Sie waren Mitglied im Umwelt- und Bauausschuss. Welche Fragen bleiben in Ihren Augen in diesem Bereich für die nächste Synode – und welche ergeben sich neu?
Dröge: Was für die neue Synode ganz eklatant wichtig wird, ist das gesamte Gebäudemanagement. Schon vor zwölf Jahren wusste ich, wir haben zu viel gebaut, können uns das nicht mehr leisten. Aber keiner ist bereit, irgendwas aufzugeben. Wir haben immer versucht, die Leute mit gutem Wort zu bewegen, aber Steine und Gebäude haben emotionale Bedeutung, und man kann sie nicht so schnell abstoßen. Jetzt ist ein Kostendruck da, ein Zwang, aber anders geht es nicht.
In den zwölf Jahren im Umwelt- und Bauausschuss haben wir versucht, auf Freiwilligkeit zu setzen – das hat nicht geklappt, jede Gemeinde spürt den Mangel. Das ist eine der großen Aufgaben der nächsten Synode. Wir wollen weiterhin einen bedarfsgerechten Bestand behalten, aber Klimaschutz und Denkmalschutz müssen einbezogen werden. Ziel: 30 Prozent Kosteneinsparung in zehn Jahren. Wir müssen entscheiden, was bleibt. Wir müssen wirtschaftlicher denken und schneller handeln. Der Immobilienmarkt arbeitet viel schneller und ich sehe vor Ort, dass Gemeinden etwas abgeben, Käufer finden, aber das Landeskirchenamt bleibt zurück – das wird eine Riesenaufgabe.
Was möchten Sie den neuen Synodalen oder Menschen, die Kirche mitgestalten wollen, mitgeben?
Dröge: Ehrenamt funktioniert nur, wenn man Spaß daran hat – sonst macht man es einfach nicht. Man tut es wegen Anerkennung, aber die bleibt begrenzt. Man muss das Gefühl haben, etwas zu bewegen und Freude an der Arbeit haben. Suche dir Felder, die du liebst! Wenn neue Synodalen kommen, sind die Sitzungen gut, aber die Ausschüsse sind entscheidend. Suche dir die Ausschüsse, bei denen du Freude hast und etwas nach vorne bringen kannst. Dann ist die Freude an der Arbeit überall größer – jedenfalls war es bei mir so.