Autorin Annett Gröschner erhält Evangelischen Buchpreis

Eine als Frau lesbare Person mit schulterlangen rotbraunen Haaren.
Bild: Susanne Schleyer

Göttingen, Nürnberg. Die Berliner Schriftstellerin Annett Gröschner wird in diesem Jahr mit dem Evangelischen Buchpreis geehrt. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird ihr für ihren 2025 erschienenen Roman „Schwebende Lasten“ verliehen, wie das Evangelische Literaturportal am Donnerstag in Göttingen mitteilte. Der Preis wird am 20. Mai in Nürnberg überreicht. Im vergangenen Jahr erhielt der Autor Volker Surmann die Auszeichnung.

In ihrem prämierten Roman erzählt Gröschner fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte entlang des Lebens der Magdeburger Arbeiterin Hanna Krause. Deren Leben ist geprägt von zwei Revolutionen, zwei Weltkriegen, zwei Diktaturen und zwei Demokratien. In der Begründung der siebenköpfigen Jury heißt es: „Hanna ist eine stille Heldin, keine Widerstandskämpferin, aber noch weniger eine Opportunistin. Hanna balanciert zwischen Auflehnung und Anpassung und trifft ihre Entscheidungen nicht aus ideologischen Gründen, sondern lässt sich von Menschlichkeit und Anstand leiten.“

Darin liegt nach Angaben der Jury die politische Kraft des Buches. Gröschner zeige, dass Geschichte nicht nur von Parolen, Systemen und Machtverhältnissen geprägt werde, sondern von vielen unsichtbaren Entscheidungen gewöhnlicher Menschen. „Hanna Krause steht somit für unzählige andere Frauen, die keine Stimme erhalten.“

Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 als Schriftstellerin in Berlin. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Romanen „Moskauer Eis“ (2000) und „Walpurgistag“ (2011). Zuletzt erschien im Hanser-Verlag ihr gemeinsam mit Peggy Mädler und Wenke Seemann verfasster Bestseller „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ (2024).

Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 jährlich vom Evangelischen Literaturportal vergeben, dem Dachverband evangelischer öffentlicher Büchereien. Das Vorschlagsrecht haben nicht Autoren oder Verlage, sondern Leserinnen und Leser. Gesucht würden Bücher, „die anregen, über uns selbst, unser Miteinander und unser Leben mit Gott neu nachzudenken“, hieß es.

Björn Schlüter (epd)