Dem Leben vertrauen

Andacht zum 16. Sonntag nach Trinitatis
Ein Weg führt durch einen Wald.
Bild: Canva / Alan Larysch von Getty Images

Die Autorin

Eine jüngere Frau lächelt in die Kamera.
Bild: privat
Dorothee Beckermann ist Diakonin für Konfi-Arbeit in der Region Linden-Limmer.

Der Volksmund weiß: „Angst ist ein schlechter Ratgeber!“ Trotzdem hören wir unserer Angst gerne zu. Die Angst malt uns aus, was wir alles verlieren, wenn wir nicht aufpassen. Die Angst lässt uns misstrauisch auf andere schauen und klammert sich an das, was sie kennt, weil sie sich nichts anderes vorstellen kann. Die Angst flüstert uns ein: „Es wird alles ganz schlimm!“ Aus der Hirnforschung wissen wir, dass Angst die Fähigkeit zum klaren Denken stark einschränkt. Denn Angst macht eng: das Herz, den Blickwinkel und die Atemwege. Am Ende bleibt nur noch Kampf, Flucht oder Totstellen. Erfülltes Leben sieht anders aus.

„Ihr fahrt wirklich mit den Konfis nach Sachsen-Anhalt?“ Die Mutter am Telefon klingt hörbar besorgt. „Wir fragen uns wirklich, ob unsere Tochter mit auf die Freizeit fahren soll. An ihrer Hautfarbe kann man erkennen, dass Ihr Vater aus Westafrika stammt und wir fürchten, dass sie dort nicht sicher ist.“ Das ist heute Wirklichkeit in Deutschland: Menschen haben Angst, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen. Sie fürchten sich vor Beschimpfungen, Übergriffen und offener Gewalt, weil das gesellschaftliche Klima so vergiftet ist.

Wovor hast Du Angst?

Die Kernkompetenz des Christentums ist es, der Angst etwas entgegenzusetzen. Fürchtet Euch nicht, lese ich wieder und wieder in den Geschichten von Gott und seinen Menschen. Nicht Angst soll das Leben regieren, sondern Vertrauen. Vertrauen, dass es gut werden kann. Dass es sich lohnt, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dass wir uns gegenseitig beschenken und tragen. Dass unser Wert nicht abhängt von Leistungen und den Urteilen anderer. Dass das Leben liebevoll, zärtlich und einfach stärker ist.

Der Angst nicht das Feld überlassen. Denen nicht recht geben, die laut schreien und ihre Macht missbrauchen. Denen nicht nachgeben, die Angst verbreiten und Hass säen. Denen widersprechen, die das Leben bedrohen und die Menschenwürde mit Füßen treten. Sie wissen nichts von der Schönheit und vom Wunder des Lebens. Sie kennen weder echte Freude noch tiefe Dankbarkeit.

Mitten in der Angst kannst Du einen Raum für Gott offenhalten. Gottes Geist – voll Kraft und Liebe und Besonnenheit – einladen in Deine Welt. Wie würde es sich anfühlen, wenn dieser Geist das Sagen in Deinem Leben hätte? Welche Wahrheit würdest Du aussprechen? Welche Lieder würdest Du singen? Welche Fragen würdest Du stellen? Welche Veränderung würdest Du gestalten? Welchen Verlust würdest Du umarmen? Welche Gemeinschaft würdest Du feiern? Wenn die Angst zwar noch da ist, Dich aber nicht mehr daran hindert, loszugehen...

Welches Leben wäre möglich mit dieser Kraft Gottes? Finden wir es zusammen heraus!

Biblischer Text,
2. Timotheus 1,7–10
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes.
9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,
10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.
Pastorin Dorothee Beckermann