Unstillbarer Hunger, der bleibt

Andacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis
Ein Tisch, der mit vielen Speisen gedeckt ist und mehrere Arme greifen zu den Speisen
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Christian Plitzko
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Pastor Christian Plitzko

IT-Experten programmieren KI-Agenten, um Sicherheitslücken zu entdecken. Die Zeitung berichtet davon, wie sie außer Rand und Band geraten. Dazu hätte ich auch mal Lust. Politiker und welche, die sich dafür halten, pöbeln frei von der Seele weg. Ich frage mich, ob es für meine Herzkranzgefäße wirklich gut ist, meine negativen Gefühle unter Kontrolle zu halten. Ich höre von den Psychologen, dass mein Über-Ich die Triebe in mir unter Kontrolle hält und erinnere mich daran, wie meine Eltern uns Kinder allein zu Hause ließen: Für meinen Bruder und mich brach der Hedonismus aus. Die Süßigkeiten-Schublade wurde geräubert und der Fernseher lief heiß. Es war wunderbar!

„Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.“

Die Paradieserzählung der Bibel malt mir vor Augen, wie beschenkt wir doch sind: Meine Kindheit war fraglos schön. Es gab genug zu essen und die Welt versteckte Geheimnisse und versprach große Abenteuer. Ich denke an meine Mutter, die es bis heute nicht lassen kann, Stunde um Stunde im Garten zu verbringen und sich an Erde, Blumen, Laub und Sonne zu freuen. Wenn ich den unstillbaren Hunger nach „noch mehr“ und „noch intensiver“ in mir ignoriere, dann merke ich sofort: Um Himmels Willen – das Leben ist im Grunde so sehr schön angelegt!!!

„Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen.“

Es fällt mir tierisch schwer Maß zu halten. Grenzen fand ich schon immer doof. Als ob da eine teuflische Sucht in mir wohnt, die sich niemals befriedigen lässt. Geht es nur mir so? Oder kennst Du das auch? Noch ein bisschen mehr und noch mehr? Die Psychologen reden von einem Gleichgewicht zwischen Trieb und Moral, die Politiker balancieren zwischen Brandmauer und Kompromisslösung und die IT-Experten experimentieren bei KI-Agenten zwischen Emergenz (Freiheit) und Alignment (Begrenzung). Gut so! Ist die Aufgabe dieser Welt und auch Deine!

„Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“

Der Balanceakt des Lebens ist für mich im Grunde wunderbar schön. Und alles, was es an Kraft dafür braucht, will ich aus mir hervorholen. Heute aber soll meine größte Dankbarkeit demjenigen gelten, der all dies geschaffen hat. Und ich mag darum beten, dass der Wille zur Grenzüberschreitung niemals aufhört und mein Hunger unstillbar bleibt. C.S. Lewis schreibt in seinem Buch „Mere Christianity“:

„Wenn ich in mir eine Sehnsucht finde, die durch keine Erfahrung dieser Welt gestillt werden kann, ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass ich für eine andere Welt gemacht bin.“

Das liebe ich an unserem Glauben: Dass er sich ebenso nicht mit den Grenzen dieser Welt zufriedengibt und nach allem Balancieren ein sicherer Stand kommt. So lebt es sich mit Dankbarkeit und Freude hoch Zwei.

Biblischer Text,
1. Mose 2,4–9
4 Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden. Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. 5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6 aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte alles Land. 7 Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 8 Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. 9 Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
Christian Plitzko