Osman Gedow ist Leiter des Nationalmuseums in Mogadischu. Er ist begeistert von seinem Land und will den ökologischen und kulturellen Reichtum Somalias der Öffentlichkeit zugänglich machen, berichtet die ZEIT letzte Woche in einem Portrait über seine Arbeit. Man könnte denken, in der Hauptstadt gäbe es nach Jahrzehnten im Bürgerkrieg andere Probleme als die Instandsetzung eines Museums. Osman Gedow ficht das nicht an. Er ist überzeugt, dass eine kulturelle Identität dabei hilft, die Wunden der Kriegsjahre zu heilen. Und so steht er in seinem Museum, das nach Jahren der Kämpfe die allermeisten seiner Exponate verloren hat, und ahnt etwas, das noch nicht da ist, sieht etwas, das erst noch gefunden werden muss. Um es sichtbar zu machen, hat er die verschiedenen Ethnien des Landes aufgerufen, ihm Gegenstände zu spenden, die die Geschichte Somalias erzählen. Er träumt davon, die Identitätskrise der Bevölkerung, besonders der Jugend, zu heilen, indem sie sich gemeinsam an das große Erbe ihres Landes erinnern.
Jesus kommt nach Jericho, erzählt das Lukasevangelium, und wird von einer Menschenmenge erwartet. Man könnte meinen, seine Aufträge vor Ort sind klar, alle hoffen auf gute Predigten und ein paar Wunderheilungen. Berichtet wird in der Bibel aber, wie Jesus auf seinem Weg an einem Maulbeerbaum vorbeikommt und darin Zachäus sitzen sieht, einen Mann, der seine Mitmenschen mit den Augen rollen lässt. Er ist Zöllner, also ein Geldeintreiber, und zwar einer von der ungerechten Sorte. Jesus sieht durch die Äste direkt in das Herz von Zachäus und traut ihm etwas zu, was noch nicht da ist. Er lockt ihn, zusammen etwas zu suchen, was erst noch gefunden werden muss. Jesus sieht mit seinem Möglichkeitssinn, was Zachäus bislang nicht kannte: den Wunsch nach Versöhnung und Veränderung.
„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Wie ist das Museum Deiner Biografie bestückt? Was erzählen die Vitrinen über Dein Leben und Deine Beziehungen – und welche Ereignisse magst Du gar nicht ans Licht holen? Und nun stell Dir mal vor, wie Jesus mit Dir durch die Flure Deines Lebens streift und mit Neugier und Hoffnung zusammenpuzzelt, was Dir ins Chaos gerutscht ist, was sich nach Heilung sehnt und einem Neuanfang. Hast Du nicht Lust, mit ihm eine neue Ausstellung Deiner Geschichte einzurichten? Es könnte doch sein, dass Du am Ende merkst: Heute ist meinem Haus Heil widerfahren.
Amen.
Lukas 19,1–10: Zachäus
2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich.
3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.
4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.
5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.
6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.
7 Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.
8 Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.
9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams.
10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.