Ich denke an den Film „City Lights – Lichter der Großstadt“. Darin geht es so zu: Charlie Chaplin verliebt sich in eine Blumenverkäuferin. Das Mädchen kann die Lichter der Großstadt nicht sehen – sie ist blind. Als Charlie in den Blumenladen kommt, hält das Mädchen den Vagabunden für einen reichen Mann. Denn er verspricht ihr, an Geld zu kommen. Sie braucht nämlich eine Operation.
Nur: Wie soll Charlie an Geld kommen? Erst verdingt er sich als Straßenkehrer. Dann als Preisboxer. Als er einen betrunkenen Millionär vor dem Selbstmord rettet, erklärt dieser ihn zu seinem Freund. Doch am nächsten Morgen sieht alles anders aus und der Millionär setzt den armen Charlie vor die Tür. Als Charlies Not am größten ist, trifft er den Millionär erneut – wieder ist dieser betrunken. Diesmal schenkt er Charlie 1000 Dollar. Doch jetzt gerät Charlie in Verdacht, das Geld gestohlen zu haben. Er kann es gerade noch dem blinden Mädchen für die Augenoperation zustecken, bevor er verhaftet wird.
Stoppen wir die Filmerzählung kurz einmal.
Sehen können ist ein göttliches Geschenk. Mit den Augen der Liebe sehen können ist auch ein göttliches Geschenk. Sehen mit den Augen der Liebe, das hat damit zu tun, wie der Mensch in die Welt schaut.
Augen der Liebe können ins Verborgene sehen. Das kann einem das Licht der Sonne nicht ersetzen. Aber anders als die Sonne können die Augen der Liebe ein dunkles Herz hell machen. Vielleicht haben Sie das schon erfahren und glauben es deshalb. Vielleicht glauben Sie es aber auch und erfahren es deshalb.
Zurück zur Filmerzählung „Lichter der Großstadt“. Charlie kann dem blinden Mädchen gerade noch Geld für die Augenoperation zustecken, bevor er verhaftet wird. Als er aus dem Gefängnis entlassen wird, trifft er das geheilte Mädchen wieder. Die Operation ist geglückt. Das Mädchen besitzt jetzt einen eigenen Blumenladen. Abgerissen steht Charlie vor dem Schaufenster. Sie sieht ihn und erkennt ihn noch nicht. Sie will ihm ein Almosen geben. Bei dieser Bewegung, bei dieser Berührung, da erst sieht sie in ihm ihren Wohltäter, der ihr einst das Geld in die Hand gedrückt hatte.
Auf den Zwischentiteln ist der meisterhafteste Dialog der Filmgeschichte zu lesen:
Sie: „Du?“
Er (nickt): „Kannst du jetzt sehen?“
Sie (drückt seine Hand): „Ja, ich kann jetzt sehen.“
Und dem Publikum ist völlig klar: Mit den Augen der Liebe konnte dieses Mädchen immer schon sehen. Das ist das hellste Licht in der Großstadt.
Amen.
Markusevangelium 7,31–37
Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.