Mehr Mut in den Bitten!

Andacht zum 17. Sonntag nach Trinitatis
Eine Frau sitzt mit verschränkten Armen im Wartezimmer.
Bild: Pixelshot
Ein Mann mit blauer Jacke und grünem Pullover lächelt.
Bild: privat
Jakob Kampermann ist Pastor und Mitglied der Evangelischen Medienarbeit (EMA) der Landeskirche Hannovers.

Doch. Darin ist diese Mutter schon beeindruckend, von der im Matthäusevangelium erzählt wird. So hartnäckig und beharrlich ist sie. Ihre Tochter leidet unter einem Geist, der ihr zusetzt. So nennt sie das. Und sie bittet Jesus, inständig, die Tochter von diesem Geist zu befreien.

Jesus äußert zunächst, dass er sich nicht zuständig fühlt, weil diese Frau mit ihrer Tochter nicht zum Volk Israel gehört.

Dieser Einwand irritiert mich. Gerade von Jesus. Dieser Hinweis auf die Zuständigkeit seiner Person gebunden an die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk, ist doch eher aus den Wahlkämpfen bestimmter Parteien in unserem Land bekannt. Jetzt benutzt ihn Jesus? Ist seine Möglichkeit, Gutes zu tun, begrenzt? Oder ist sein Wollen begrenzt?

Unsere Kirche agiert heute weltweit und beruft sich auf diesen Jesus.

Die Jünger die mit dabei sind, finden das aber völlig einleuchtend. Sie empfinden das Rufen der Frau als störend und bitten Jesus, die Frau wegzuschicken.

Sie bleibt aber dabei. Jesus ist derjenige, der ihre Tochter gesund machen kann. Das soll er bitte tun!

Die Hartnäckigkeit imponiert ihm und veranlasst ihn schließlich, dem Wunsch der Frau nachzukommen. Er sagt schließlich zu ihr:

Dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie Du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.

Dass diese Erzählung aus dem Matthäusevangelium so gut ausgeht, lässt mich mitnehmen, dass sich Beharrlichkeit gegenüber unserem Gott lohnt. Das muss doch neuen Schwung in meine Gebete bringen. Mehr Mut in den Bitten!

Die Irritation bleibt, wenn Jesus seine Zuständigkeit einschränkt. Mir ist doch eigentlich zugesagt, durch die Taufe zu ihm zu gehören. Darauf will ich mich verlassen.

Amen.

Biblischer Text,
Matthäus Evangelium 15, 21 -28
Und Jesus ging weg von dort und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach, Herr, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, Dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie Du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Jakob Kampermann