Gottes Treue steht fest

Andacht zum 10. Sonntag nach Trinitatis: Israelsonntag „Kirche und Israel“
Brücke aus Holz
Bild: Canva / s.tomkae

Biblischer Text

Die Autorin

Eine Frau mit blonden Haaren.
Bild: privat
Pastorin Bianca Reineke ist Dozentin für Berufsbildende Schulen und Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit am RPI Loccum.

Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«

Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Römer 11,25–32


Es gibt Bibeltexte, die so schwierig sind, dass man sie weder leise lesen noch laut vortragen möchte. Man möchte sie fallen lassen wie ein heißes Eisen, an dem man sich die Finger verbrennt. Lieber einfach weiterblättern zum nächsten Text. Der Predigttext für diesen Sonntag – den Israelsonntag – ist so einer. Wie einfach wäre es gewesen, ihn zu überblättern und sich auf den Wochenspruch zu stürzen, der in seiner Schönheit ganz klar ist. Wir müssen aushalten, dass es in der Bibel Texte gibt, die eben nicht rosarot und leicht sind, die nicht von Liebe, erfüllten Hoffnungen und Zuversicht handeln.

Das können wir auch. Wir wissen, was Jesus ertragen musste. Das Leid, die Kreuzigung, den Abstieg in die Tiefe. Hinab in die schwarze Nacht des Todes. Das ist Teil unseres religiösen Daseins. Und genau deshalb dürfen wir weder diesen Sonntag noch diesen Text ignorieren. Dass Paulus es bei diesem Brief nicht leicht hat, ist zu merken. Er kämpft und hadert, er überlegt innerlich und windet sich äußerlich, das wird in seinen Worten deutlich.

Die Beziehung zwischen Judentum und Christentum ist nicht unbelastet. Sie ist es auch in ihren Anfängen nicht gewesen, da sage ich keinem etwas Neues. Und doch ist da eine so tiefe Verbundenheit zwischen der Kirche und Israel, die trägt und hält. Denn ohne den Juden Jesus und seine jüdische Identität wären wir nicht das, was wir sind.

Der Predigttext für heute spart die harten Fragen nicht aus. Er ist sperrig und schwer zu ertragen. Er ist aber so viel mehr als das. In ihm findet sich Zuversicht, je genauer man hinsieht.

Es ist ein bisschen wie dieses Kratzpapier aus dem Kindergarten: Erst erscheint die Fläche ganz düster und fast blendend in ihrer dichten Dunkelheit. Das macht es mir schwer, darin Worte zu erkennen. Doch wenn ich vorsichtig reibe, mich selbst an dem Text reibe und die Worte Stück für Stück neu lese, kommen Hoffnungsschimmer aus dem schwarzen Text hervor, vielleicht erst schwach, aber doch bunt leuchtend, die Dunkelheit durchbrechend.

Dann erkenne ich, worum es Paulus eigentlich geht: Um einen tiefen, göttlichen Prozess. Mitten in der Zerrissenheit der Welt wird klar, wovon er spricht. Gottes Verheißung steht fest. Es wird eine Zeit geben, in der die Worte Rettung, Gnade und Barmherzigkeit eine größere Rolle spielen als alle Konflikte.

Das Gute wird aus dem Dunkel hervorragen. Das ist für mich die Hauptaussage dieses Textes, so schwierig er auch sein mag: Es geht hier um Gottes unverbrüchlichen Bund mit den Menschen, um seine Güte, die am Ende alle Dunkelheit beenden kann.

Amen.