Ich habe sie nie gezählt. Aber gerade das Wunderwirken von Jesus ist so gut und umfangreich bezeugt, dass man davon ausgehen muss, dass er tatsächlich Wunder gewirkt hat. In seiner Gegenwart haben böse Geister Menschen verlassen. In seiner Gegenwart wurden Menschen gesund. Manchmal war noch nicht einmal seine Gegenwart nötig: Ein Wort von Jesus genügte (Joh 4,46 ff). Dass Menschen ihm wegen seiner Wunder nachliefen, störte Jesus.
„Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“, beschwert sich Jesus einmal (Joh 4,48). Trotzdem gibt er nach und heilt dann doch.
Die Wunder in der Bibel machen es sich so einfach. Da wird jemand gesund. Alles ist in Ordnung. Aber das ist eben so einfach! So, wie Jesus seine Wunder tut, wählt er den einfachsten Weg. Der schwierigere Weg wäre der, mit dem Kranken das Kranksein auszuhalten.
Und weil das so viel schwieriger ist, als gesund weiterzuleben, – wäre das nicht das viel größere Wunder?
Ich habe immer wieder großen Respekt vor Menschen, die ein Leiden aushalten. Es nicht schönreden, aber es eben aushalten. Solche Menschen bewundere ich. Ebenso Menschen, die das Leiden anderer Menschen mitaushalten.
Ich denke, unsere Achtung vor Menschen, die pflegende Berufe ausüben, kann gar nicht hoch genug sein. Auch vor denen, die ihre Verwandten zu Hause betreuen und pflegen. Wie wunderbar, dass es solche Menschen gibt!
Für sich selbst hat Jesus tatsächlich den schwierigeren Weg gewählt. Als ihm selbst Leiden und Sterben bevorstanden: Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach:
Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst! (Mat 26,39)
Und das macht ihn für mich auch in Situationen, die ich als leidvoll erlebe, wieder so glaubwürdig. Gott hat selbst in Jesus Leiden kennengelernt und ausgehalten.
So sehr ich mich über die Wunder von Jesus ärgere – vielleicht auch, weil ich sie so wenig erlebe – bleibt mir doch das Wunder, dass ich in meinem Leiden nicht alleine bin. Sondern dass mein Gott es mit mir aushält. Mich darin hält. Wie wunderbar!
Amen.
Lukasevangelium 13, 10-13