Regelrecht

Andacht zum Sonntag Exaudi
Ein zu schnell fahrendes Auto wird geblitzt.
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Der Autor

Christian Plitzko
Bild: privat
Pastor Christian Plitzko

Schon wieder ein Blitzerfoto, das bezahlt werden muss. Sofort heben meine Anwälte zur Verteidigungsrede an: „Wer schnell arbeitet, der fährt auch schnell Auto.“ „Die Müdigkeit der letzten Nacht ist schuld.“ „Warum verlangt Deutschland denn immer noch diesen preußischen Regelgehorsam?“ Wäre ein bisschen gnädige Nachsichtigkeit nicht auch ganz schön?

Der Prophet Jeremia hätte wohl wissend gelächelt: „Ach! Hab Geduld! Die starren Gesetze sind nur vorübergehend! Denn Gott spricht: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Welche Regel würdest Du Dir in Dein Herz tätowieren lassen? Morgenstund hat Gold im Mund? Verdichte Dein Leben? Liebe Gott und Deinen Nächsten?

Ich phantasiere es mir so zurecht: Wenn wir Gott in unser Herz und unseren Sinn lassen, dann lösen sich die festen Strukturen auf. Dann entscheiden wir von Situation zu Situation, was richtig ist. ER hat ja keinen festen Platz (Jesaja 66,1). ER ist der, der sein wird (2. Mose 3,14). ER ist der, der selbst Freiheit ist (2. Korinther 3,17).

Mir jedenfalls würde das sehr Freude machen, in solch einem Geist leben zu dürfen. Mich nicht mehr beschneiden zu müssen (Galater 5,6). Und wenn all die anderen um mich herum ebenfalls in dieser Freiheit leben könnten, wenn Gott wirklich bei uns wohnen würde (1. Korinther 3,16), dann stelle ich mir das tatsächlich wie ein rauschendes Hochzeitsfest vor (Offenbarung 19,6ff).

Bis es soweit ist, muss das Abreißen von AfD-Plakaten wohl noch eine Straftat bleiben und ich werde langsamer fahren, um niemanden in Gefahr zu bringen. Die Freiheit, von Situation zu Situation zu entscheiden, die dürfen wir uns aber jetzt schon nehmen (1. Korinther 10,23). Zumindest dann, wenn wir Gott in Herz und Sinn haben. Denn Auferstehung zum Richtigen, die gibt es ja jetzt schon im Leben (Kolosser 3,1).

Amen.

Biblischer Text,
Jeremia 31,31–34
31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.
Christian Plitzko