„Mir bleiben die Worte im Halse stecken.“
„Ich mag keine Lieder mehr singen in dieser irren Zeit.“
Der 4. Sonntag nach Ostern ist der Sonntag „Kantate“ („Singet“). Wir schreiben österliche Freudenzeit. Weiß ist die Farbe an Altar, Lesepult und Kanzel. Wie in hunderten Jahren zuvor sollen wir einstimmen in die Psalmen, den Psalm 98: „Singet dem Herrn ein neues Lied. Denn er tut Wunder.“ Wunderbare Lieder und Kantaten sind dazu entstanden. Musik, die jubeln kann. Lieder, die auch ihre Wut herausrufen dürfen, die aufrichten, wenn wir ganz tief gefallen sind, wenn Dunkelheit uns umgibt und ängstigt.
Manchmal ist Gesang die letzte Möglichkeit, das Wort im Fleisch zu halten in Krieg und Unrecht und Gewalt. Manchmal ist Gesang das Schönste, was Menschen zu geben haben, wenn ihre Herzen vor Lust und Freude überzufließen drohen. Gesang ist die Sprache von Glaube, Liebe, Hoffnung – aber die Liebe ist die Größte.
Im Predigttext für diesen Sonntag geht es um die Einweihung des Tempels in Jerusalem, dem Ort für die Lade, die heiliges Zeichen des Bundes ist zwischen Jahwe und Israel. Fromme Juden feiern ein Fest im siebenten Monat des Jahres. Die Lade und andere heilige Geräte waren in der Stifthütte und bekamen einen festen Ort im Tempel, im Allerheiligsten, das auch „Sprachort“ heißt, unter den Flügeln der Cherubim. In der Lade waren die zwei Tafeln mit den Geboten, die Mose am Horeb hineingelegt hatte – als Gott den Bund schloss mit seinem Volk, dem aus Sklaverei und Knechtschaft entkommenen.
Manchmal aber ist Sprache nicht genug. Alle sangen sie, sogar die Leviten und Priester, Trompeten und Zimbeln erfüllten die Herzen und den heiligen Ort. Und Gott war da mitten unter ihnen. Das war sehr herrlich. Und auch verstörend. Und doch voller Hoffnung.
Die Kriege dieser Welt scheinen nichts zu wissen von Hoffnung und Liebe.
Was und wie sollen wir also singen am Sonntag Kantate und wie verhüten, dass unser Gesang Gott und seiner Schöpfung zum Spott gereicht?
Im Neuen Testament (1. Kor 6,19–20) ist der Leib als Tempel des Heiligen Geistes als eine Metapher beschrieben: unser Körper als heiliger Wohnort Gottes und „Haus des Geistes“. Mit Fleisch und Blut liebevoll schön ersonnen…
Am Anfang war das Wort. Und wurde Fleisch.
Das Fleisch ist schwach und doch voller Sehnsucht nach einer besseren Welt, nach Heiligem.
Da kommt der Gesang ins Spiel. Die letzte göttliche Gabe, die vielleicht noch retten kann.
Amen – das sei gewisslich wahr.
2. Chronik 5,2-5(6-11)12-14
7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des Herrn an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, 8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. 9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. 10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der Herr mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen.
11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –, 12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke als das Haus des Herrn, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.