Wie frei bin ich wirklich?

Andacht zum Sonntag Rogate
Mehrere Klone laufen vom Fließband.
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Der Autor

Simon Laufer
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Simon Laufer

Simon Laufer ist Pastor in Iselersheim und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven.

Junge Menschen, dem Tod geweiht. Sie leben in dem Bewusstsein, Klone zu sein. Gezüchtet, um anderen Menschen als Organspender zu dienen und dann zu sterben. Das ist der Ausgangspunkt für Kazuo Ishiguros Roman „Never let me go“.

Es ist so trostlos, wie es klingt. Auf den ersten Blick. Kath, Ruth und Tommy ringen um Freiheit, um Würde, um Liebe. Sie finden Lichtblicke in Momenten zwischenmenschlicher Wärme und in kostbaren Erinnerungen, die sie teilen. Sie hoffen auf Erlösung durch ihre Liebe – und werden enttäuscht. Am Ende wirken sie wie Ertrinkende, die mit stummen Lippen rufen, kaum noch hörbar: Halte mich doch fest. Vergeblich.

Mich hat vor allem die Frage beschäftigt: Warum fügen sich die Klone so in ihr Schicksal? Warum lehnen sie sich nicht auf, rebellieren nicht gegen ihren vorgezeichneten Weg und das kaltblütige System? Warum brechen sie nicht einfach aus?

Man kann das Buch als Metapher lesen – für uns alle. Für den stummen Schrei nach Erlösung, der uns allen auf den Lippen liegt. Erlösung von vorgezeichneten Pfaden, von dem, was andere uns zuschreiben und aufstempeln. Erlösung von eigener Schuld und Vergeblichkeit. 

Dann fragt die Geschichte plötzlich mich selbst: Wie frei bin ich wirklich? Wo suche ich Rettung? Wer erlöst mich? Denn so verschieden von den Klonen sind wir nicht. Vieles im Leben suchen wir uns nicht aus, und sterben müssen wir schließlich alle.

Was, wenn es wirklich keine Erlösung gäbe? Wenn wir einfach einem blinden Schicksal ausgeliefert wären? Mich schaudert bei dem Gedanken. Und genau in solche Gedanken hinein spricht Gott einen ganz anderen Satz.

Mose sagt zu den Israeliten an der Schwelle zur Freiheit im gelobten Land: „Gott wird dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen. ... Sei stark und mutig!“ (5. Mose 31,6–7). Jesus bekräftigt später: „Ich bin bei euch alle Tage!“ (Mt 28,20) Was für ein Zuspruch! Was für ein Trost! Ich bin unheimlich dankbar, dass wir Gott kennen dürfen und erleben, dass er selbst uns festhält. Auch in schwierigen Umständen und selbst im Tod. Jesus lässt dich nicht los.

Simon Laufer