Wir erinnern daran, dass Jesus gestorben ist. Wie er gestorben ist. Diesen Schrecken hat das Kreuz bis heute nicht verloren. Hinrichtungsmaschinen verbreiten Angst. Das sollen sie ja auch. Bis heute. Vor allem von Regierungen, die sich nicht anders zu helfen wissen. Jede Hinrichtung ist eine zu viel. Bis heute. Eine Hinrichtung an sich ist sinnlos? Aber die von Jesus auch?
Einige Menschen, die mit Jesus gelebt hatten, erlebten ein paar Tage nach dessen Tod: Jesus. Nach seinem Tod erlebten sie: Er ist nicht tot. Er lebt. Er ist zu erleben. Mal ganz deutlich in der Gestalt, die alle kannten, sogar mit den Wunden in Händen und Füßen. Mal erst im Nachhinein im Lesen und Begreifen der Bibel. Im Brotbrechen beim Abendmahl. Dann wieder in einem hellen Licht…
Auch nach seinem Tod ist Jesus die Seite Gottes, die uns nachgeht. Die uns anspricht. Die uns anrührt. Gottes Sache, die mit Jesus so wunderbar einen Neuanfang in unserer Welt genommen hatte, geht weiter. Das erlebten Menschen, die Jesus aus Nazareth getroffen hatten, aber auch Menschen, die ihm nie begegnet waren. Das erleben Menschen bis heute.
Einer dieser Menschen, die Jesus aus Nazareth nie getroffen hatten, aber den auferstandenen Christus, ist Paulus. Er fügt die zwei Beobachtungen sinnvoll zusammen. Zum einen: dass Jesus von allen fallen gelassen wurde und grausam starb. Und: Dass er auch nach seinem Tod uns nahe ist und uns liebevoll begegnet. Da muss also etwas passiert sein am Kreuz, was diesen Widerspruch aufhebt. Etwas radikal Neues.
Viele Christen und Christinnen tragen ein Kreuz als Schmuckstück. Zu Recht. Denn wir haben nichts Besseres, Größeres und Wertvolleres als dieses Kreuz. An diesem Kreuz hängt unsere Schuld, hängt unsere bitterste Not, hängt unser Leben, hängt unser Gott. Hier ist alles zu finden, was wir zum Leben brauchen. Brauchen das Kreuz und das Wort von der Versöhnung.
Amen.
2. Brief an die Gemeinde in Korinth 5,19ff