Rebellen des Abendmahls

Andacht zum Gründonnerstag
Ein Mann in Wandersachen und Rucksack springt auf einem Feld über einen Bachlauf.
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Christian Plitzko
Bild: privat
Pastor Christian Plitzko


Das, was Jesus für das Neue Testament ist, ist Mose für das Alte. Zwei charismatische Typen, um die sich eine Menge Geschichten ranken. Was die beiden Brüder gemeinsam haben, ist der laute Ruf nach Freiheit. Ketten werden gesprengt, Mauern eingerissen, Fesseln durchgeschnitten und Flügel wachsen aus den Schulterblättern. „Komm, flieg, mein Kind, bis in den Himmel!!!“

Wer den Mund so voll nimmt, der braucht gute Anwälte gegen all die erdenschweren Staatsanwälte, die Zucht und Ordnung einfordern. Nicht jeder kann mit leuchtenden Augen und agilen Beinen umgehen. Denn: Wer das Leben selbst zum König macht, ordnet sich womöglich nicht den erhabenen Menschen unter. Wo getanzt wird, werden womöglich Betonwände mit pinken Graffitiherzen besprüht. Wer in der U-Bahn singt, trägt im Zweifelsfall nicht zum Bruttoinlandsprodukt bei. Wer mit den Händen isst, glaubt nachher noch an ein Leben nach dem Tod.

„Um Eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand …“ (2. Mose 12,11)

Ja! Wahr ist, dass diese Welt nicht meine Heimat ist. Und Deine auch nicht. Wozu sollen wir uns ihren Regeln unterwerfen? Wir haben weder ihre Schindereien nötig, noch sollten wir uns von ihren Peitschenhieben einschüchtern lassen. Lass uns lieber bereit sein zum Aufbruch, zum Exodus! Komm, meine Schwester. Komm, lieber Bruder: Lass uns aufstehen und leichtes Gepäck zusammensuchen, damit wir abhauen können, sobald es geht.

Ich weiß: Das ist ein ganz schön voll genommener Mund. Das sind echt große Worte. Die verlangen uns was ab. Aber hör gut zu, mein Lieber – meine Liebste: Wenn wir diese Worte nicht sagen und nicht denken, dann können wir sie auch nicht fühlen. Und wenn wir sie nicht fühlen, werden sie nicht ein Teil von uns. Dann bleiben wir ewig Gefangene der Vorläufigkeit.

Also komm. Lass uns wütend sein wie ein Kind und mit heißen Tränen an unseren Ketten ziehen. Lass uns gegen die Mauern trommeln, die uns gefangen halten. ER hat uns doch versprochen, dass ER stärker ist als alles andere. ER hat uns doch zugesagt, dass wir frei sein werden. Lass uns nicht aufhören, dem gelobten Land entgegenzustreben, worin Milch und Honig fließen.

Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wenn wir heute miteinander Abendmahl feiern oder auch das Passahfest begehen, dann bedeutet das für mich, dass die Rebellion Gottes gegen alles Todbringende leibhaftig in mir werden soll. Dann lasse ich zu, dass Jesus seinen Arm um mich legt und Moses meine Hand ergreift und wir ZUSAMMEN ins Leben aufbrechen.

Und ich will, dass Du mitkommst. Denn ohne Dich wäre es einfach nur Mist.

„… es ist des Herrn Passa!“ (2. Mose 12,11)
Amen.
 

Biblischer Text,
2. Buch Mose 12, 1-4(5)6-8(9)10-14
Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er's mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr's nehmen und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen, und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr's mit Feuer verbrennen. So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen; es ist des HERRN Passa. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der HERR. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.
Christian Plitzko