Schultüte gepackt, Ranzen geschultert, das Herz klopft: Rund um den 15. August, wenn in Niedersachsen tausende Kinder eingeschult werden, beginnt für Familien ein neuer Lebensabschnitt. Zwischen Vorfreude, Nervosität und letzten Vorbereitungen schaffen Einschulungsgottesdienste einen Moment zum Durchatmen und einen Rahmen für den Übergang von Kita zur Grundschule. In den evangelischen Kirchengemeinden in ganz Niedersachsen können Kinder mit einem persönlichen Segen in ihre Schulzeit starten. Und das völlig unabhängig davon, ob die Familie sonst Gottesdienste besucht.
„Der Segen bedeutet Zuspruch und vermittelt ‚Du bist nicht allein, Gott ist auch bei dir‘“, sagt Pastorin Dr. Dorothea Noordveld von der St.-Johannis-Gemeinde in Lüneburg. Dieser Zuspruch solle auch vermitteln, dass jedes Kind gut ist – unabhängig davon, wie es in der Schule läuft. „Du bist gut, du bist geliebt, du bist gewollt. Das mitzugeben zur Einschulung kann Kinder stärken, kann sie beflügeln, kann sie manchmal auch trösten und ihnen den Rücken stärken“, so die Pastorin weiter.
Viele Familien erleben den Gottesdienst als bewussten Übergang: Bevor Lesen, Rechnen und Hausaufgaben den Alltag bestimmen, steht ein Moment im Mittelpunkt, der Kindern Mut macht und ihnen zuspricht: Du bist nicht allein unterwegs.
Begleitung beim Schulstart und darüber hinaus
Auf Ermutigung setzt auch Landesbischof Ralf Meister. Seit vielen Jahren erhalten alle Schulanfängerinnen und Schulanfänger in der Landeskirche Hannovers ein kleines Schulanfangsgeschenk. In diesem Jahr ist es unter dem Motto „Schulanfang: Klingt gut!“ ein Kinderliederbuch mit Wimmelbild und einer persönlichen Grußbotschaft. Diese kleine Aufmerksamkeit soll zeigen: Ihr seid willkommen und Euer Start in ein neues Lebenskapitel ist uns wichtig.
Kirche begleitet Familien beim Schulstart aber nicht nur mit guten Worten, sondern auch ganz praktisch. Denn eine Einschulung kann schnell mehrere hundert Euro kosten. Deshalb unterstützen Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen vielerorts Familien, für die der Schulstart eine finanzielle Herausforderung ist. In Melle bei Osnabrück beispielsweise sorgt die Initiative „Kinder in Not“ dafür, dass Kinder mit Schulranzen und Lernmaterial ausgestattet werden.
Kinder spenden ihren Schulranzen
Wie viel Gemeinschaft bewirken kann, zeigt eine neue Aktion der Kirchengemeinden Neetze und Thomasburg. Bei ihrer „Ranzenaktion“ spendeten Familien die gut erhaltenen Schulranzen ihrer Viertklässler. Angehende Fünftklässler konnten ihre Tornister vor dem Altar der Kirchen in Neetze und Thomasburg abgeben. Anschließend konnten sich künftige Erstklässlerinnen und Erstklässler kostenlos einen passenden Ranzen aussuchen. Ergänzt wurde die Ausstattung durch Hefte, Stifte und weiteres Material, das die Kirchengemeinde mit dem örtlichen Schreibwarengeschäft „Leseratte“ in Neetze bereitgestellt hat.
„Die Idee entstand ganz praktisch“, erzählt Birthe Wimschulte aus dem Kirchenvorstand. „Bei einigen von uns im Vorstand kommen die Kinder in die fünfte Klasse und wir haben uns gefragt: Was machen wir eigentlich mit diesen gut erhaltenen Ranzen?“ Inspiriert wurde Wimschulte zwei Jahre zuvor im Urlaub: „In Dornbirn in Österreich haben wir gesehen, dass in einer Kirche Ranzen zum Abholen hingen. Das fanden wir so schön, dass wir es bei uns adaptiert haben.“
Die Resonanz ist bislang positiv: „Wir haben über Instagram und die Kindergärten gezielt kommende Erstklässler angesprochen, und das wurde sehr gut angenommen“, so Wimschulte. Ein wichtiger Aspekt für sie dabei: die Würde aller Beteiligten. „Wir haben bewusst ein anonymes Setting gewählt, damit sich keine Familie unangenehm fühlen muss.“
Neben der konkreten Unterstützung spiele aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine zentrale Rolle: „Ein neuer Schulranzen kostet schnell 250 Euro oder mehr. Gleichzeitig sind viele gebrauchte Modelle noch bestens in Schuss – warum sollte man sie wegwerfen? Wir wollten den Kreislauf aufrechterhalten.“ Auch die Kinder selbst wurden einbezogen: „Wir haben sie ermutigt, kleine Botschaften in die Ranzen für die neuen Besitzer zu legen, das war uns wichtig.“
Neues Unterrichtsfach Christliche Religion
Auch in der Schule bleibt Kirche ein verlässlicher Begleiter. Mit dem Schuljahr 2026/27 beginnt in Niedersachsen schrittweise das neue Unterrichtsfach „Christliche Religion“, das den bisherigen evangelischen und katholischen Religionsunterricht zusammenführt. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die Kinder und Jugendliche im Alltag beschäftigen: Wie gehen wir miteinander um? Was gibt Halt? Und welche Werte tragen unser Zusammenleben?