„Kirchen zeigen etwas über unsere Kulturlandschaft“
Rund 40 Gäste waren auf Einladung von Landesbischof Ralf Meister zum Patronatstag ins Kloster Loccum gekommen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kirchen auch in Zeiten knapper Kassen erhalten werden können.
Loccum. Es ist zu einer guten Tradition geworden, dass Landesbischof Ralf Meister regelmäßig zu einem Patronatstreffen einlädt. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter der aktiven Patronatsfamilien (siehe Infokasten) waren jetzt nach Loccum gekommen, um sich auszutauschen und das Schwerpunktthema „Zukunft kirchlicher Gebäude – Schätze oder Last?“ zu diskutieren.
Rund 2.000 Sakralgebäude gibt es in der Landeskirche Hannovers, 70 bis 80 Prozent davon stehen unter Denkmalschutz. „Wir werden die Unterhaltskosten in Zukunft schwerlich allein durch Kirchensteuereinnahmen decken können“, sagte Landesbischof Ralf Meister. Baurechtsexpertin Heidrun Böttger aus dem Landeskirchenamt ergänzte: „Was uns zu schaffen macht: Wir haben weniger Gemeindeglieder, weniger Personal, weniger Kirchensteuern – das einzige, das fast unverändert bleibt, ist die Zahl der Gebäude.“
Bundesweit gebe es 42.000 Kirchengebäude, so Meister. „Das ist weltweit einzigartig und zeigt etwas über unsere Kulturlandschaft.“ In vielen Orten in Niedersachsen gebe es zwei Kirchen, in manchen Regionen wie Ostfriesland sogar drei: evangelisch, katholisch, reformiert. Als Bischof wolle er so viele Kirchen wie möglich erhalten, man müsse aber über die Intensität der Unterhaltung und alternative Nutzungen ins Gespräch kommen.
Meister erwähnte in diesem Zusammenhang das Manifest „Kirchen sind Gemeingüter“, das eine Initiative aus Stiftungen und Wissenschaft 2024 auf den Weg gebracht hatte. Auch Böttger nannte das Manifest „eine für uns unerwartete Initiative, die im Kern aussagt, was wir uns wünschen“. Unerwartet allerdings auch deshalb, weil die Initiatoren vor Veröffentlichung nicht mit den Kirchen gesprochen hatten. Die Aussage, Kirchen seien „radikal öffentliche“ Gemeingüter und gehörten allen, stimme so nicht, sagte Böttger. Noch seien sie überwiegend Orte des kirchlichen Lebens und Eigentum der Kirchengemeinden.
Böttger warb ebenfalls für die gemeinsame Nutzung von Kirchenräumen oder die Integration von Gemeinderäumen, wodurch möglicherweise die Zahl der Gemeindehäuser verringert werden könne. Auch sei eine „reduzierte Instandsetzung“ möglich, um „das vorhandene Geld zu strecken“. Dafür sei allerdings ein Umdenken bei der Konzeption von Instandsetzungen und bei der Denkmalpflege nötig. Für die zukunftsfähige Nutzung von Kirchen müsse dann eben auch der Einbau einer Toilettenanlage möglich sein. Die Referatsleiterin im Landeskirchenamt wies darauf hin, dass die Landeskirche – anders als andere – keine festen Quoten für die Reduzierung des Gebäudebestandes vorgebe. Ohnehin seien die Kirchenkreise die Entscheidungsebene.
Gemeinden unter Druck
Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Patronate machten bei dieser Gelegenheit ihrem Unmut Luft: Die Aufforderung, Sakralgebäude wegen der sinkenden Finanzmittel bis zu einer bestimmten Frist zu kategorisieren, habe die Gemeinden stark unter Druck gesetzt. Vor Ort müssten Ehrenamtliche, die sich gar nicht kennen, über den Erhalt ihrer Kirchen verhandeln. „Das ist eine explosive Situation“, sagte ein Teilnehmer. „Das überrollt uns gerade“, sagte eine andere. In einem Kirchenkreis habe die Priorisierung dazu geführt, dass alle Kirchen gleich wichtig seien. „Wie geht die Landeskirche damit um?“ Während eine Teilnehmerin im Zuge der Debatte mit weiteren Kirchenaustritten rechnet, gab ein anderer zu bedenken, dass bald niemand mehr für den Kirchenvorstand kandidieren wolle.
Klosterkammer-Präsidentin Thela Wernstedt bat darum, bei den anstehenden Spar- und Fusionsprozessen die Patronate nicht zu vergessen. Teilweise würden dabei Pfarrstellen gestrichen, bei denen die Patronate „etwas zu sagen hätten“. Wernstedt hatte allerdings auch versöhnliche Nachrichten: So ändere die Klosterkammer gerade ihre Kriterien, um den Erhalt von Sakralgebäuden finanziell zu fördern, wenn es eine Zusammenarbeit mit Vereinen oder Kommunen gebe.