169.000 Menschen hat die Evangelisch-lutherische Landeskirche im Februar um den Valentinstag herum Post geschickt. Sie erhielten dahin ein Einladung, ihre Liebe zu feiern und sich segnen zu lassen oder auch gleich kirchlich zu heiraten. Ganz bewusst richtete sich die Einladung an alle Paare, unabhängig von ihrem Geschlecht.
Am 26. Juni 2026 wurde diese Einladung Wirklichkeit: Kein großer Auftritt, keine Wedding-Planung, keine Gästeliste - und doch war dieser Tag für viele hundert Paare ein ganz besonderes Ereignis, bei dem die Türen offen waren für alle, die ihre Liebe zeigen und bezeugen wollten.
„Einfach heiraten“ heißt die bundesweite Aktion, die dies ermöglichte, und sie hielt, was der Name verspricht. Kein langes Planen, kein organisatorischer Kraftakt, stattdessen ein Moment, der die Liebe zwischen zwei Menschen in den Mittelpunkt stellte. Rund 1.600 Paare haben ihn in diesem Jahr allein in der Landeskirche Hannovers gesucht und gefunden: bei 667 Trauungen und 927 Segnungen an rund 108 Feierorten. Bundesweit nahmen etwa 5.000 Paare an der Aktion teil.
In Hannover-Davenstedt wurde dieser Moment für Martyna und Leonardo Vollmar besonders greifbar. „Für uns geht ein Traum in Erfüllung“, sagt Leonardo Vollmar, bevor das Paar in der Alten Kapelle von 1790 getraut wird.
Dass dieses Format so viele Menschen anspricht, hat mit seiner Offenheit und Niedrigschwelligkeit zu tun. Paare kommen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, und gefeiert wird an Orten, die so verschieden sind wie die Menschen selbst. In der Landeskirche Hannovers gehörten dazu etwa der Nordseestrand in Bensersiel, die Schwebefähre in Hemmoor, die Landesgartenschau in Bad Nenndorf, die Kneipe Extrakt in Hannover, das Museum Lüneburg oder das Kloster Loccum. Es ist genau diese Mischung aus Alltagsnähe und Feierlichkeit, die den Reiz der Kampagne ausmacht.
Über Instagram von der Aktion erfahren
„Wir haben damals auf Instagram gelesen, dass es die Aktion ‚einfach heiraten‘ gibt und fanden das richtig toll“, sagt Sascha Stuck aus Lüneburg. Er bereitete in aller Heimlichkeit die Hochzeit im Kloster Lüne vor. Seine Frau Daniela Stuck-Detloff wusste es als letzte, erst am Abend vorher wurde sie von ihrem Mann überrascht: „Wir gehen morgen unseren Segen erneuern.“ Was für eine schöne Geste! „Es war wunderschön, so entspannt und auch zwanglos“, sagt sie. Den Segen erhielten sie von Pastorin Anja Kleinschmidt, die die beiden auch zwei Jahre zuvor getraut hatte.
Die Atmosphäre ist landeskirchenweit bewusst niedrigschwellig gehalten, aber nicht beliebig. In Gleidingen bei Laatzen etwa konnten Paare sich im Pfarrgarten oder in der St. Gertruden-Kirche trauen oder segnen lassen. Für die passende Stimmung sorgte Live-Musik mit dem gewünschten Song der Paare. Dazu kam ein Angebot für die ganze Familie mit Getränken und Verpflegung. Besonders war auch: Zeremonien in Gebärdensprache boten die Kirchengemeinden ebenfalls an.
Melanie und Christian Blümel aus Hambergen haben sich 19 Jahre nach ihrer standesamtlichen Hochzeit nun kirchlich trauen lassen. Was 2007 im Rathaus klein beginnen sollte und am Ende mit rund 100 Gästen größer wurde, bekam in der kleinen Kirche St. Jürgen nun einen zweiten, bewusst gewählten Rahmen. „Die haben ja geradezu nach uns gerufen. Wenn wir es jetzt nicht machen, dann machen wir es gar nicht mehr“, sagte Melanie Blümel im Vorfeld der Zeremonie.
Spontan und mit geringem finanziellen Aufwand
Viele Paare nutzten die Gelegenheit, weil sie während der Corona-Zeit nicht kirchlich heiraten konnten und das nun nachholen wollten. Bei anderen spielte auch eine kleinere Kasse für die große Feier eine Rolle. Wieder andere wollten ihr Trauversprechen erneuern oder sich einfach segnen lassen. All das war möglich, teils sogar ganz spontan.
Vanessa und Gordon aus dem Harzer Land hatten sich für die Aktion „einfach heiraten“ entschieden, um ihre Familie und Freunde zu überraschen. Eigentlich hatten sie zur Taufe ihrer Tochter eingeladen, die wie geplant stattfand. Im Anschluss folgte die romantische Trauung.
In Horneburg bei Buxtehude wurde sogar eine Pastorin selbst überrascht: Spontan kam der Neffe von Dorlies Schulze mit Partnerin und Baby aus dem Harz angereist und formulierte der Pastorin gegenüber den Segenswunsch. Bewegt resümiert sie: „Das war ein intensiver, aber auch phänomenaler Tag. So viel Liebe, so viel Segen und gute Laune, so viele glückliche Menschen, das hat uns als Team sehr froh gemacht.“
Der Erfolg von „einfach heiraten“ lässt sich nicht nur in Zahlen messen. Die Aktion zeigt eine Kirche, die Menschen nicht erst auf Distanz prüft, sondern ihnen einen Raum öffnet: für Segen, für Verbindlichkeit, für einen Moment, der nicht groß inszeniert sein muss, um groß zu wirken. Ein Ja, das ohne Umwege zum Wesentlichen kommt. Und wer in diesem Jahr nicht dabei sein konnte, hat auf jeden Fall die Chance, wenn es am 2.7.2027 wieder heißt: Ihr könnt „einfach heiraten.“