Babykörbchen in Hannover bezieht neuen Standort

Hilfsangebot jetzt an Geburtsklinik „Henrike“ im Stadtteil Bult zu finden
Vier Menschen stehen vor einem „Babykörbchen“ für Mütter in Not
Bild: Diakovere

Im „Babykörbchen“ können Mütter in Not anonym ihr Neugeborenes abgeben, wenn sie nicht in der Lage sind, es selbst großzuziehen. Das Angebot in Hannover ist nun an einen neuen Standort umgezogen. 25 Kinder wurden im Laufe der Jahre bereits dort gefunden.

Info

Notruf Mirjam – Hilfe für Schwangere und Mütter: 0511/3604232, info@notruf-mirjam.de, erreichbar montags bis freitags von 9 Uhr bis 15 Uhr

Hannover. Das hannoversche „Babykörbchen“ für Mütter in Not hat einen neuen Standort bezogen. Das 2001 von der früheren Bischöfin Margot Käßmann gegründete Hilfsangebot ist künftig an der neuen diakonischen Geburtsklinik „Henrike“ im Stadtteil Bult zu finden, wie der Gesundheitskonzern Diakovere und der „Notruf Mirjam“ am Mittwoch in Hannover nach der Eröffnung mitteilten. Beide betreiben das Babykörbchen gemeinsam.

Mütter oder Eltern in schwierigen Lebenssituationen können dort anonym und unbeobachtet ihr Neugeborenes hineinlegen und somit in sichere Obhut geben, wenn sie es nicht selbst versorgen wollen oder können. Sie müssen dafür eine Klappe öffnen. Bisher befand sich das Angebot am evangelischen Krankenhaus Friederikenstift in der Calenberger Neustadt.

Letzter Rettungsanker

Für den neuen Standort hat Diakovere auch eine völlig neue Anlage installieren lassen. Das beheizte Wärmebett ist direkt mit den Kreißsälen des Mutter-Kind-Zentrums verbunden. Kurze Zeit nach dem Schließen der Klappe löst ein Sensor einen stillen Alarm aus, der medizinisches Personal herbeiruft. Das bisherige Babykörbchen am Friederikenstift ist noch bis Monatsende erreichbar und wird dann geschlossen.

„Das Babykörbchen ist ein letzter Rettungsanker, wenn jemand in größter Not keinen anderen Weg mehr sieht“, sagte Pastor Peer-Detlev Schladebusch, Geschäftsführer des Landesvereins für Innere Mission, zu dem der „Notruf Mirjam“ gehört. Die Mitarbeitenden des Notrufs beraten und begleiten Schwangere, junge Mütter oder Familien, die nicht mehr weiterwissen.

Zwillinge entdeckt

Der Sozialkonzern Diakovere hatte vor einem Jahr die Geburtsstationen seiner evangelischen Traditionskrankenhäuser Friederikenstift und Henriettenstift am Standort des Kinder- und Jugendkrankenhauses auf der Bult zusammengelegt und dafür einen Neubau errichtet. Geburtshilfe und Neugeborenen-Medizin sind dort nun eng miteinander verzahnt. „Deshalb gehört auch dieses Schutzangebot an den neuen Ort“, sagte der Medizinische Geschäftsführer Professor Thomas Moesta.

Seit der Gründung haben junge Mütter oder Eltern bislang insgesamt 25 Neugeborene in das Babykörbchen gelegt, in jedem Jahr eines. 2026 waren es nach Angaben von Diakovere allerdings bereits zwei – Mitarbeitende fanden dort Zwillinge. Die Mütter haben auch die Möglichkeit, sich nach der Abgabe des Kindes umzuentscheiden und es wieder zurückzunehmen. Ansonsten wird es in eine Pflege- oder Adoptionsfamilie gegeben.

2008 geriet das Babykörbchen in die Schlagzeilen, als ein toter Säugling davor gefunden wurde. Der Junge war erfroren. Einem Gutachten zufolge soll die Klappe verzogen gewesen sein. Ob das Kind schon vor seiner Abgabe tot war, konnte nie geklärt werden.

Michael Grau (epd)