Die Lüneburger Regionalbischöfin Marianne Gorka ermuntert dazu, Bündnisse zu schließen, um der gesellschaftlichen Polarisierung etwas entgegenzusetzen. Bei einem Fachtag im September will sie dazu Akteure aus Kirche und Gesellschaft zusammenbringen.
Lüneburg, Hitzacker. Die Lüneburger Regionalbischöfin Marianne Gorka ruft angesichts einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung dazu auf, Bündnisse zu schließen. „Wir brauchen Begegnungsmöglichkeiten, Verständigungsorte und Gelegenheit zum Austausch“, sagte Gorka im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der evangelische Kirchensprengel Lüneburg lädt dazu am 26. September zu einer Fachtagung nach Hitzacker ein. Dabei wollen laut Gorka Vertreter von kirchlichen und bürgerlichen Initiativen sowie Institutionen wie der Polizei über den Umgang mit Rechtsextremismus und zunehmenden politischen Spannungen diskutieren.
In der Region zwischen Hamburg, dem Wendland und der Lüneburger Heide engagieren sich teilweise seit Jahrzehnten Menschen zum Beispiel gegen Treffpunkte von Rechtsextremen oder setzen sich mit der Ansiedlung sogenannter „Völkischer Siedler“ auseinander. Der Fachtag solle Mut machen und vermitteln: „Ich bin nicht allein, es sind eine Menge Menschen und eine Menge Initiativen aktiv, die sich für den Erhalt unserer demokratischen Staatsform einsetzen“, betonte die evangelische Regionalbischöfin.
Konflikte auch in Kirchengemeinden
Auch in Kirchengemeinden komme es zu Konflikten im Umgang mit Menschen, die sich in Parteien engagierten, die sich nationalistisch, ausgrenzend oder gar rechtsextremistisch äußern, erläuterte Gorka. Als Beispiel nannte sie einen langjährigen Unterstützer einer Kirchengemeinde, dessen Geldspende diese zukünftig ablehne, da er als AfD-Ratsmitglied agiert.
Die Regionalbischöfin verwies auf eine Erklärung der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und der Bremischen Evangelischen Kirche für Demokratie und Menschenwürde. Darin grenzen sich die Kirchenvertreter erstmals deutlich gegen die AfD ab. Spätestens mit Blick auf das Parteiprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt, sei das auch zwingend, unterstrich Gorka. Es wende sich gegen ein freiheitliches Verständnis von Staat und Regierung und greife die Kirchen direkt an.
Im Umgang mit der AfD am eigenen Wohnort rät Gorka dazu, zwischen Funktionären und Sympathisanten zu unterscheiden, die sich auch unter Gemeindemitgliedern fänden. „Wir sind Kirche für alle, nach Möglichkeit wollen wir das auch weiter ernst nehmen.“ Wichtig sei es ihr zu den Letzteren das Gespräch nicht abzubrechen, sondern positiv zu vermitteln, für welche Werte das Christentum stehe.
Nerven liegen seit Corona blank
Sie habe Verständnis für eine zunehmende Unzufriedenheit mit der Politik, sagte Gorka. „Es hat manchmal den Anschein, dass unsere Regierung derzeit noch nicht auf alles plausible Lösungen hat, die Dinge wirklich besser zu machen.“ Auch beobachte sie, dass seit der Corona-Krise die Nerven vieler Menschen schneller blank lägen und Herausforderungen zunähmen. In dieser Situation sei es wichtig, dass sich Menschen nicht nur ausgeliefert fühlten. „Ich kann mitgestalten. Ich bin in meinem kleinen Bereich wichtig“, dieses Gefühl gelte es zu stärken.