Ein Fachgespräch der Evangelischen Agentur zu Macht und Kirche hat Teilnehmende aus verschiedenen Landeskirchen und Berufsgruppen zusammengeführt. Im Vordergrund standen Vernetzung und fachlicher Austausch sowie die Frage, wie Kirche an der Seite der Betroffenen stehen kann.
Am 12. und 13. August hat die Evangelische Agentur der Landeskirche Hannovers unter dem Titel „Scheinheilig. Spiritueller Missbrauch – Herausforderung für die Kirche im Umgang mit Macht“ zu einem Fachgespräch nach Hildesheim eingeladen. 28 Teilnehmende aus verschiedenen Landeskirchen, Professionen und Konfessionen folgten der Einladung. Im Mittelpunkt standen der fachliche Austausch, die gemeinsame Reflexion sowie die Vernetzung derjenigen, die mit dem Thema spiritueller Missbrauch beziehungsweise spiritualisierter Gewalt befasst sind.
Nicht zuletzt durch die ForuM-Studie ist der Umgang mit Macht in der Kirche stärker in Frage gestellt. Damit verbunden ist die Aufgabe, Kirche machtsensibler zu gestalten und Strukturen zu schaffen, die Machtmissbrauch verhindern und Betroffene schützen. Neben sexualisierter Gewalt wird dabei zunehmend auch spiritualisierte beziehungsweise geistliche Gewalt in den Blick genommen.
Der Austausch über Erscheinungsformen und Dynamiken in dieser Thematik sowie die Auseinandersetzung mit ihren theologischen und institutionellen Dimensionen können dazu beitragen, diesem Missbrauch geistlicher Autorität vorzubeugen, ihn frühzeitig zu erkennen und zu ahnden. Im Mittelpunkt steht dabei die Perspektive der Betroffenen und die Frage, wie Kirche an ihrer Seite stehen kann.
Für Hille de Maeyer, Referentin der Kontaktstelle Spiritueller Missbrauch der Landeskirche Hannovers und Mitglied im Leitungsteam der Tagung, war das Fachgespräch auch mit Blick auf die Arbeit der Kontaktstelle von besonderer Bedeutung: „Im September 2025 ist die Kontaktstelle Spiritueller Missbrauch der Landeskirche Hannovers an den Start gegangen. Das Fachgespräch war und ist eine besondere Gelegenheit, die Arbeit der vergangenen zwölf Monate mit den Erkenntnissen aus der theologischen Diskussion fortzuführen und weiterzuentwickeln.“
Das Fachgespräch machte deutlich, wie wichtig der kontinuierliche Austausch über Landeskirchen- und Konfessionsgrenzen hinweg ist. „Der Austausch auf der Tagung hat mein Bewusstsein dafür geschärft, dass alle theologischen Sprachformen und alle kirchlichen Handlungsfelder ambivalent sein können. Diese Ambivalenz ist sogar unausweichlich – und wird doch in Theologie und Praxis bisher kaum berücksichtigt. Umso wichtiger ist aus meiner Sicht eine Sensibilisierung für das Thema in der Fläche“, betont Thomas Steinke, Referent der Kontaktstelle Spiritueller Missbrauch und Mitglied im Team Spiritualität der Evangelischen Agentur.
Die Vernetzung der unterschiedlichen Fachperspektiven solle auch künftig dazu beitragen, in der Kirche für Formen geistlichen Machtmissbrauchs zu sensibilisieren, Betroffene besser zu unterstützen und Wege zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Macht zu stärken. Der Weg sei noch lang. Doch die positiven Rückmeldungen zur Tagung und die darin zum Ausdruck gebrachte Freude über die Vernetzung mache Mut.
Mirko Peisert, Direktor der Evangelischen Agentur, zieht ein positives Fazit: „Die Tagung bot eine erste und sehr gute Gelegenheit, sich über Landeskirchengrenzen hinweg zu vernetzen. Der Austausch der für das Thema Verantwortlichen aus verschiedenen katholischen und evangelischen Kirchen ergab wertvolle Impulse für die Weiterarbeit.“