Personalchefin: Pastoren sollen nicht mehr für alles zuständig sein

Eine als Mann lesbare Pfarrperson bereitet einen Abendmahlstisch.
Bild: epd-bild/Tim Wegner

Weniger Pastorenzentrierung, mehr Zusammenarbeit: Die landeskirchliche Personalchefin Nicola Wendebourg sieht in multiprofessionellen Teams eine Chance. Für die Gemeinden bedeutet das eine Umstellung.

Das Bild zeigt eine weiblich lesbare Person mit kurzen blonden Haaren, einer Brille ohne Fassung, einem gemusterten Schal, einem weißen Oberteil und einer grauen Strickjacke darüber.
Bild: Jens Schulze
Nicola Wendebourg

Rotenburg/Wümme. Die Personalchefin der hannoverschen Landeskirche, Nicola Wendebourg, wünscht sich in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen weniger Pastorenzentrierung und mehr multiprofessionelle Zusammenarbeit. Es bedürfe eines gleichberechtigten Miteinanders unterschiedlicher Berufsgruppen, sagte die Oberlandeskirchenrätin laut Manuskript am Mittwoch in Rotenburg bei Bremen beim Generalkonvent des evangelisch-lutherischen Sprengels Stade, der jährlichen Vollversammlung aller Pastorinnen und Pastoren im Elbe-Weser-Raum.

Multiprofessionelle Teams seien nicht bloß eine Reaktion auf den Pfarrpersonalmangel. Vielmehr könnten sie die kirchliche Arbeit in den Gemeinden fachlich stärken, erläuterte Wendebourg. Die Stärke dieser Teams liege in den unterschiedlichen Kompetenzen: „Nicht jeder soll alles können und tun, nicht jede soll wegen des Pastorinnen- und Pastorenmangels zu einer ‚Pastorin light‘ weitergebildet werden können.“ Die Landeskirche verzichte auf zentrale Vorgaben, damit sich die Teams vor Ort anhand konkreter Themen entwickeln könnten.

Pastorinnen von Rolle der „Allzuständigkeit“ entbinden

Wendebourg plädierte dafür, Pastorinnen und Pastoren von ihrer Rolle als kirchliche „Allzuständige“ zu entlasten, damit sie ihre theologische und seelsorgliche Expertise gezielt ins Team einzubringen könnten. „Die Vorstellung, dass ein multiprofessioneller Ansatz mit einem ‚Weniger‘ an Theologie einhergeht, ist falsch“, betonte sie. Im besten Fall würden Pfarrpersonen zu „Gewährsleuten für die Einheit der verschiedenen Dienste“ und zu theologischen Experten. Multiprofessionelle Zusammenarbeit bedeute dann: „Nicht jeder soll alles können“ – sondern jeder solle einbringen, was er oder sie besonders gut könne.

epd Niedersachsen-Bremen