Festgottesdienst eröffnet Feier zum Tag der Deutschen Einheit

Eine große, vollbesetzte Kirche.
Bild: epd-bild/Hannes von der Fecht

Die offiziellen Feierlichkeiten der Bundesrepublik zum Tag der Deutschen Einheit werden in diesem Jahr vom Land Bremen ausgerichtet. Eröffnet werden sie mit einem ökumenischen Gottesdienst im evangelischen St.-Petri-Dom. Auch in der Landeskirche Hannovers gibt es Veranstaltungen.

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Bremen/Hannover. Mit einem ökumenischen Festgottesdienst im Bremer St.-Petri-Dom beginnen am Sonnabend, 3. Oktober, um 10 Uhr die offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Auch in der Landeskirche Hannovers gibt es Veranstaltungen, etwa in Norden oder Osnabrück. Viele Kirchengemeinden beteiligen sich zudem am Chorsingen zur Einheit unter dem Motto „3. Oktober – Deutschland singt und klingt“.

Aus Sicherheitsgründen sei der Gottesdienst im Dom nur für geladene Gäste zugänglich, teilte die Bremische Evangelische Kirche am Dienstag mit. Die Feier wird jedoch live im ZDF sowie auf Großbildschirmen in der Bremer Innenstadt übertragen.

Die Predigt halten der Bremer evangelische Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus und der katholische Bischof des Bistums Osnabrück, Dominicus Meier. An dem Gottesdienst unter dem Leitwort „Viele Gaben – ein Geist“ nehmen unter anderem die Spitzen der deutschen Verfassungsorgane, der Bundesländer und der Parlamente teil.

Die offiziellen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit werden in jedem Jahr von einem anderen Bundesland ausgerichtet. Die Austragung ist an die Bundesratspräsidentschaft gekoppelt, die derzeit das kleinste Bundesland innehat. In diesem Jahr stehen die Feiern unter dem Motto „Viele Stärken – ein Land“.

„Wir leben in einer Zeit, in der demokratische Werte und die Unantastbarkeit der Menschenwürde leider nicht mehr uneingeschränkter gesellschaftlicher Konsens sind“, heißt es in einer gemeinsamen Grußbotschaft von Kirchenpräsident Kuschnerus und der Präses der bremischen Kirche, Maria Esfandiari. Gerade deshalb sei es wichtig, zusammenzustehen. Wenn Menschen einander zuhörten und sich offen begegneten, zeige sich, dass sie mehr verbinde als trenne.

Neben dem Festgottesdienst beteiligen sich die Kirchen mit einem umfangreichen Programm an dem Bürgerfest. So bietet die evangelische Kirche unter anderem eine Beratung zur Kriegsdienstverweigerung an, während der Verein „Mehr Demokratie“ in der Kulturkirche St. Stephani Dialog-Runden ausrichtet.

Die City-Kirche Unser Lieben Frauen lädt in einer Lounge zur Entspannung und mit einer 14 Meter langen Schaukel zum Schaukeln im Kirchenschiff ein. Die katholische Propsteikirche St. Johann öffnet ihre Türen für Seelsorge-Gespräche und Einkehr. Auf der Festmeile bietet die katholische Kirche ein „Weihrauch-Tasting“ an.

EKD-Kulturbeauftragter spricht in Gnadenkirche Tidofeld

Eine als Mann lesbare Person mit Glatze
Johann Hinrich Claussen

Die Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld lädt zum Tag der Deutschen Einheit am Samstag, 3. Oktober, um 17 Uhr zu ihrem jährlichen Festakt ein. Als besonderen Gast begrüßt die Dokumentationsstätte in diesem Jahr den evangelisch-lutherischen Theologen und Autor Johann Hinrich Claussen. Claussen ist seit 2016 Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und leitet das Kulturbüro der EKD. In seinem Buch „Das Buch der Flucht – Die Bibel in 40 Stationen“ beschäftigt er sich mit den vielfältigen Erfahrungen von Flucht, Fremdsein, Aufnahme und Ankommen, die bereits in den biblischen Texten eine zentrale Rolle spielen.

In seinem Wortbeitrag in der Gnadenkirche wird Claussen biblische Fluchtgeschichten mit gegenwärtigen Erfahrungen von Flucht und Migration ins Gespräch bringen. Dabei geht es auch um die Frage, was eine Gesellschaft aus der Geschichte des Ankommens lernen kann – und welche Bedeutung die Erfahrungen von Fremdsein, Aufnahme und neuer Heimat für das Zusammenleben haben.

Grußworte sprechen Olaf Meinen, Landrat des Landkreises Aurich, und Ruben Grüssing, Vorsitzender des Landessynodalausschusses der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Alle Interessierten sind eingeladen, der Eintritt ist frei.

Kirchen beteiligen sich am siebten Chorsingen zur Einheit

Am Tag der Deutschen Einheit sollen wieder bundesweit Lieder an öffentlichen Orten wie Marktplätzen erklingen. An der Aktion „Deutschland singt und klingt“ beteiligten sich am 3. Oktober rund 230 Orte, hieß es bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag in Berlin. Bei der diesjährigen Hauptveranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen werde die musikalische Initiative im Pavillon des Deutschen Bundestages und in der evangelischen Kirche „Unser Lieben Frauen“ präsent sein.

Wenn überall zur gleichen Zeit derselbe Klang entstehe, werde Einheit nicht nur erinnert, sondern erlebt, erläuterten die Initiatoren. Der Tag solle so zu einem „lebendigen, musikalischen Nationalfeiertag“ werden. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte, mit dem Musikprogramm werde eine klingende Antwort auf finstere Zeiten gegeben. Er betonte, singen helfe auch dabei, sich in einer verrückt gewordenen Welt nicht selbst verrückt machen und durch Angst in die Knie zwingen zu lassen. „Singen verändert diese Welt, nicht jaulen“, sagte er. Am 3. Oktober müsse ein Klangteppich gesungener Lieder das Land überziehen.

Für das bundesweite Singprogramm wurden zehn Lieder ausgewählt. Darunter sind die Kirchenlieder „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ und „Lobe den Herren“, das israelische Lied „Hevenu Shalom Alechem“, „Amazing Grace“, die Hymne der Bürgerrechtsbewegung der USA der 1950er- und 1960er-Jahre, und „Über den Wolken“ von Liedermacher Reinhard Mey. Die Aktion „Deutschland singt und klingt“ zum Tag der Deutschen Einheit gibt es seit dem 30. Einheitsfest 2020.

Bürgerfest auf dem Ledenhof in Osnabrück

Ebenfalls am Samstag, 3. Oktober, laden die Marketing Osnabrück GmbH und die Freiwilligen-Agentur der Stadt Osnabrück gemeinsam zum Bürgerfest auf den Ledenhof und den Neuen Graben ein. Ab 10 Uhr erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Programm mit mehr als 80 Vereinen, Initiativen und weiteren Organisationen, zahlreichen Mitmachaktionen, Tanz und Musik. Ab 20 Uhr stehen LOI und die Antenne Niedersachsen Band auf der Bühne. Der Eintritt ist frei.

Das Bürgerfest macht erlebbar, wie vielfältig sich Menschen in Osnabrück engagieren und was sie gemeinsam für ihre Stadt bewegen. Die Freiwilligen-Agentur hat die ausstellenden Vereine, Initiativen und Organisationen für das Fest gewonnen. So entstehen viele Gelegenheiten, die Menschen hinter den Angeboten kennenzulernen, Fragen zu stellen und selbst etwas Neues auszuprobieren. Zu den geplanten Angeboten gehört der „Vorurteilsgenerator“ der Ökumenischen Erwachsenenbildung.

epd Niedersachen-Bremen / EMA