Für Familien mit wenig Geld kommen mit der Einschulung der Erstklässler große finanzielle Herausforderungen zu, die kaum zu erfüllen sind. Diakonie-Chef Lenke hält mehr unkomplizierte Hilfen für nötig.
Hannover. Anlässlich der bevorstehenden Einschulung der neuen Erstklässler fordert das Diakonische Werk mehr unkomplizierte staatliche Hilfen für Familien mit wenig Geld. „Für viele Familien ist der Schulstart neben der Vorfreude auch mit erheblichem finanziellem Druck verbunden“, sagte der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die 195 Euro, die über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes für das Schuljahr dafür zur Verfügung stünden, reichten angesichts der steigenden Lebenshaltungs- und Bildungskosten vielerorts nicht aus.
„Allein ein vernünftiger Schulranzen kostet durchschnittlich zwischen 120 und 180 Euro“, sagte Lenke. Hinzu kämen Hefte, Stifte, Sportkleidung, Mappen und weitere Materialien, die bei der Einschulung erstmals angeschafft werden müssten. „Für Familien mit geringem Einkommen stellt dies eine enorme Belastung dar.“ Deshalb müsse das Bildungspaket an die realen Kosten angepasst werden. Wenn Kinder aus Familien mit wenig Geld schlechter ausgerüstet seien als andere, könne dies gleich am Beginn ihres Schullebens zu Frusterfahrungen führen.
Ausrüstung kostet 200 bis 600 Euro
Bundesweit werden im August und September wieder mehrere Hunderttausend Jungen und Mädchen eingeschult. In Niedersachsen sind es nach Angaben des Kultusministeriums rund 80.000. Die Eltern müssen dabei nach Angaben der Diakonie mit Kosten von 200 bis 600 Euro für die Erstausstattung rechnen.
Bildung dürfe nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, betonte Lenke: „Jedes Kind muss die gleichen Chancen auf einen erfolgreichen Schulstart und eine gute Bildung haben.“ In Niedersachsen waren 2025 nach Angaben der Diakonie rund 1,3 Millionen Menschen von relativer Einkommensarmut betroffen. Damit lag die Armutsgefährdungsquote bei 16,8 Prozent – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Bei Alleinerziehenden lag diese Quote sogar bei 41,8 Prozent.
Beratungsstellen bieten Hilfe an
Lenke rät betroffenen Familien, sich von Experten beraten zu lassen. Beratungsstellen der Diakonie und anderer Träger unterstützten betroffene Familien im „Dschungel der Antragsstellung“ bei den Behörden.
Empfänger staatlicher Leistungen haben dem Diakonie-Chef zufolge pro Schuljahr auf jeden Fall einen Anspruch auf die Zuschüsse für Bildung und Teilhabe in Höhe von 195 Euro. Zu Beginn des Schuljahrs erhalten sie pro Kind zunächst 130 Euro und dann im zweiten Halbjahr noch einmal 65 Euro. An vielen Orten gebe es zudem durch Spenden finanzierte diakonische Schulstarterpakete mit Ranzen, Sporttasche und häufig auch einer Schultüte, sagte Lenke.