Größte Landeskirche profitiert von gestiegenen Zinsen

Mehrere Menschen in einem großen Sitzungssaal
Bild: Jens Schulze

Die hannoversche Landeskirche hat sich aufgrund zurückgehender Mitgliederzahlen eine sparsame Haushaltsführung verordnet. Gestiegene Zinsen verschaffen ihr jetzt unverhofft Luft.

Hannover. Aufgrund unerwartet hoher Einnahmen durch Zinsen hat Deutschlands größte protestantische Landeskirche, die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, das vergangene Haushaltsjahr besser abgeschlossen als ursprünglich geplant. Durch diese Einnahmen konnte die Landeskirche nicht nur ein zunächst bestehendes Defizit von 36,5 Millionen Euro ausgleichen, wie der Vorsitzende des zentralen Landessynodalausschusses, Ruben Grüssing, am Donnerstag in Hannover vor dem Kirchenparlament berichtete. Sie erzielte in der Endabrechnung sogar ein Plus von 28,3 Millionen Euro.

Insgesamt habe die Kirche im vergangenen Jahr 848,9 Millionen Euro ausgegeben, erläuterte Grüssing zum Auftakt der Frühjahrssynode. Dem standen Erträge von zunächst 812,4 Millionen Euro entgegen, die zu 80 Prozent aus Kirchensteuern stammen. Der Etat sei noch unter den Bedingungen der Niedrigzinsphase geplant worden, sagte der Ausschussvorsitzende. Die veränderte Zinslage habe dann höhere Erträge ermöglicht.

Zugleich hätten geringere Aufwendungen, etwa durch zeitweilig unbesetzte Personalstellen und geringere Sachkosten, den Haushalt entlastet. Grüssing warnte jedoch: „Die Arbeit wird dadurch selten weniger.“ Mit Blick auf geringer werdende Mitgliederzahlen und eine sinkende Finanzkraft mahnte er zugleich ein weiterhin sparsames Wirtschaften an: „Bessere Zahlen sind keine Einladung zur Selbstberuhigung.“

Gegen das Rasenmäher-Prinzip

Allerdings wandte sich Grüssing vor der Landessynode strikt gegen das Rasenmäher-Prinzip. „Sparen ist nötig, pauschales Kürzen ist aber noch keine Strategie.“ Nötig sei mehr Differenzierung und mehr Kreativität. An mancher Stelle müsse stärker gespart werden, um an anderer Stelle weniger oder gar nicht kürzen zu müssen. Die Kirche müsse das loslassen können, was ihren Auftrag bremse.

An einigen Stellen müsse auch investiert werden, sagte Grüssing mit Blick auf die Zukunft der Landeskirche und Projekte wie „Anfänge im Glauben“. Der 36-Jährige betonte: „Meine Generation und die nach uns haben ein Recht darauf, dass Kirche nicht nur Mangel verwaltet. Wir haben ein Recht darauf, dass für das Beste geplant wird.“

Der hannoverschen Landeskirche sind rund 1.200 Gemeinden zwischen dem Landkreis Göttingen und der Nordsee angegliedert. Ihr Gebiet umfasst drei Viertel Niedersachsens.

Das Stichwort: Synode

In der evangelischen Kirche sind Synoden die Parlamente der Landeskirchen. Sie beschließen Gesetze, verabschieden den Haushalt und wählen den Bischof oder die Bischöfin. Die meisten ihrer Mitglieder sind von den Kirchenkreisen vor Ort entsandt, also von der Basis. Das Wort Synode bezeichnet ursprünglich eine Kirchenversammlung und leitet sich vom griechischen „synodos“ („gemeinsam auf dem Weg sein“) her.

Zur Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gehören 79 Frauen und Männer. 65 Mitglieder sind gewählt, 13 von der Kirchenleitung in Hannover berufen. Mit einem festen Sitz ist die Theologische Fakultät der Universität Göttingen vertreten. Unter den Gewählten sind Pastorinnen und Pastoren, hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche sowie mehrheitlich Ehrenamtliche.

Die Synode kommt in der Regel zweimal im Jahr zusammen. Tagungsort ist das diakonische Henriettenstift in Hannover. Zur hannoverschen Landeskirche gehören rund 1.200 Gemeinden mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern zwischen dem Landkreis Göttingen und der Nordsee. Ihr Gebiet umfasst drei Viertel Niedersachsens. Damit ist sie die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.

epd Niedersachsen-Bremen