Der gewaltsame Tod von sechs Mitarbeitenden der Jugendhilfe in Stade hat viele erschüttert. Unter den Opfern war auch eine 32-jährige Frau aus Hannover. Sie hinterließ zwei Kinder, die schon ihren Vater verloren hatten. Spenden sollen ihnen helfen.
Hannover, Stade. Gut einen Monat nach dem gewaltsamen Tod von sechs Mitarbeitenden der Jugendhilfe in Stade bei Hamburg sind fast 900.000 Euro an Spenden für die Hinterbliebenen eingegangen. Dabei sind allein rund 812.800 Euro für die beiden kleinen Kinder einer Jugendamtsmitarbeiterin in Hannover bestimmt, die durch die Tat zu Vollwaisen wurden, wie aus der Spendenübersicht des Portals „GofundMe“ (Stand 31. Juli) hervorgeht.
Bei einer weiteren Aktion auf „GoFundMe“, initiiert vom Kita-Elternrat Stade, kamen bis zum Freitag mehr als 47.200 Euro zusammen. Bei einer dritten Spendenaktion des evangelischen Kirchenkreises Hannover gingen rund 35.000 Euro für die Hinterbliebenen ein. Eine vierte Spendenaktion zugunsten einer betroffenen Familie wurde bei einem Stand 1.150 Euro bereits beendet.
Mehr als 30.000 Spenderinnen und Spender
Am 29. Juni waren in einem Mutter-Kind-Heim in Stade vier Frauen und zwei Männer getötet worden. Drei von ihnen arbeiteten in der Einrichtung in Stade, drei in der Region Hannover. Der Fall löste bundesweit Betroffenheit und Anteilnahme aus.
Für die beiden verwaisten Kinder im Alter von drei und vier Jahren spendeten nach Angaben der Initiatoren insgesamt mehr als 30.000 Menschen. Die höchste Einzelspende liegt bei 10.000 Euro. Auch mehrere Unternehmen beteiligten sich an der Sammlung. Hinter der Spendenaktion steht die Lebensgefährtin eines Bruders der 32-jährigen Mutter, die in Stade getötet wurde – eine Frau aus Norderstedt in Schleswig-Holstein.
Tragische Geschichte
Die Geschichte dieser Familie ist besonders tragisch, da die beiden Kinder erst im April ihren Vater verloren hatten. Zwei Monate später verloren sie auch ihre Mutter. Die Getötete hinterlässt zudem ihre Eltern und vier Brüder. Die Kinder würden innerhalb der Familie betreut, hieß es. Auch viele Freunde und Kollegen engagieren sich für die Familie.
Die Spenden sollen die Zukunft der Kinder bestmöglich absichern. Das Geld werde für ihre Versorgung, Betreuung und Bildung ausgegeben, erläuterte die Initiatorin. Möglicherweise benötigten die Kinder therapeutische Unterstützung. Das gespendete Geld werde sicher verwahrt, bis alle formalen Fragen geklärt seien.
Streit um Sorgerecht
Hintergrund der Gewalttat in Stade ist vermutlich ein Streit um das Sorgerecht für das drei Monate alte Kind des zur Tatzeit 45-jährigen Tatverdächtigen. Dieser hat sich in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde das Leben genommen.