EKD will 2029 neues Evangelisches Gesangbuch herausbringen
Das neue Evangelische Gesangbuch wird voraussichtlich die Gottesdienste in den nächsten 30 bis 40 Jahren prägen. Rund 1.500 Lieder waren in der Endauswahl.
Hannover. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will bis 2029 ein neues, völlig überarbeitetes Gesangbuch herausbringen. Es soll im Stammteil etwa 600 moderne und traditionelle Lieder enthalten und das bisherige Gesangbuch aus dem Jahr 1993 ablösen, das eine Millionenauflage erreichte. „Das neue Gesangbuch verbindet vertraute Lieder mit neuen Ausdrucksformen des Glaubens“, sagte die EKD-Ratsvorsitzende und Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs am Mittwoch in Hannover nach einer Testphase für die Liedauswahl. „Genau diese Verbindung wünschen sich viele Menschen.“ Erstmals soll die Sammlung sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form erscheinen.
In 550 ausgewählten Kirchengemeinden in ganz Deutschland sowie in Österreich ließ die EKD von September 2025 bis März 2026 die neue Liedauswahl erproben. Der Probeband, für den 32.000 Exemplare gedruckt wurden, sei auf ein überwiegend positives Echo gestoßen, sagte der Bezirkskantor und EKD-Referent Lukas Bauer aus Esslingen am Neckar. Aus den Erprobungsgemeinden erhielt die EKD mehr als 6.600 vollständig oder teilweise ausgefüllte Fragebögen zurück.
Insgesamt rund 17.000 Lieder gesichtet
In den Rückmeldungen hätten 87 Prozent der Teilnehmenden angegeben, sie fänden in dem Gesangbuch neue Impulse für ihren persönlichen Glauben, sagte Bauer. Vor allem jüngere Teilnehmende hätten die Sammlung aus Liedern, Psalmen und spirituellen Texten positiv bewertet. „Das neue Gesangbuch wird den Kanon des protestantischen Singens in Deutschland und Österreich darstellen“, betonte Bauer: „Es wird die nächsten 30 bis 40 Jahre prägen.“
Insgesamt sichtete eine 70-köpfige Kommission aus Kirchen und Fachverbänden im Auftrag der EKD rund 17.000 Liedvorschläge, die mit Noten zwischen 0 und 3 bewertet wurden. Neben bereits vorliegenden Gesangbüchern und Liederheften sichtete die Kommission auch Liedwettbewerbe. Einige Autoren sendeten eigene Kompositionen ein. Etwa 1.500 Lieder kamen in die Endauswahl.
„Von guten Mächten“ besonders oft gewünscht
In der Testphase wurde besonders häufig das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ mit dem Text von Dietrich Bonhoeffer und Melodien von Siegfried Fietz und Otto Abel gewünscht. Klassische Choräle wie „Geh aus mein Herz und suche Freud“ sollen im Gesangbuch ebenso vertreten sein wie zeitgenössische Anbetungslieder im Gospel- oder „Worship“-Stil.
Bei einzelnen Aspekten des Noten- und Textsatzes sowie bei redaktionellen Bearbeitungen traditioneller Choräle hat es laut EKD noch Verbesserungswünsche gegeben. Diese Hinweise flössen nun in die weitere Überarbeitung ein. Für den insgesamt zehnjährigen Entwicklungsprozess stellte die EKD drei Millionen Euro zur Verfügung, überwiegend für Personalkosten.
Regionale Liedanhänge geplant
Die Kosten für Druck und Rechte sollen über den Verkauf des Gesangbuches abgedeckt werden. Der Preis könnte nach vorläufigen Schätzungen bei etwa 30 Euro liegen. Über den Druck des Werkes verhandeln die Kirchen zurzeit mit Verlagen. Geplant sind vier regionale Liedanhänge.