Zwischen Äpfeln und Heidelbeeren

Landesbischof Ralf Meister auf Höfetour zu Obstbaubetrieben in Niedersachsen
Mehrere als Männer und Frauen lesbare Personen und ein Hund auf einem Hof.
Bild: privat

Altes Land/Burgwedel. Bei einem Besuch auf drei obstanbauenden Betrieben hat sich Landesbischof Ralf Meister aus erster Hand über den Obstanbau in Niedersachsen informiert.

Der Hof Lühs („Herzapfelhof“) in Osterjork ist ein Beispiel dafür, wie aus einem kleinen Obstanbaubetrieb mit wenigen Hektar Land durch Direktvermarktung und Eröffnung neuer Vermarktungsstrategien ein erfolgreich wirtschaftender Betrieb geworden ist, der dennoch nah am Kunden bleibt. Kennzeichnend sind die Äpfel – insgesamt werden mehr als 200 Sorten angebaut –, auf die mit Hilfe von Lasertechnik zwei ineinander stehende Herzen (das Logo des Betriebes) oder andere Motive und Schriftzüge individuell aufgebracht werden können. Baum-Patenschaften ermöglichen ein näheres Kennenlernen der Natur für kleine und große Menschen aus der Stadt und vom Land. Im hofeigenen Café kann man sich ausruhen oder im Hofladen stöbern.  

Der Herzapfelhof wirtschaftet biologisch. Pflanzenschutz ist für die empfindlichen Apfelbäume trotzdem nötig. Dafür wird ein Schwefel-Präparat bei bestimmter Witterung und in bestimmten Abständen aufgebracht. Der Betriebsinhaber Hein Lühs beschreibt, wie man im Apfelanbau sehr flexibel auf das Wetter reagieren muss, und erzählt, dass viel Handarbeit anfällt. Lohnkosten – einschließlich des Mindestlohns – sind daher ein wichtiger Posten bei der Kalkulation. Es ist schwierig mit der internationalen Konkurrenz mit deutlich niedrigeren Löhnen mitzuhalten.

Druck durch die internationale Konkurrenz

Denselben Punkt – die Lohnkosten und den Druck durch die internationale Konkurrenz – spricht auch Claus Schliecker an. Er ist Landesvorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen und Bundesvorsitzender der Fachgruppe Obstbau und führt zusammen mit seiner Familie einen integriert wirtschaftenden Obstbaubetrieb im Alten Land. Die regionale sehr hohe Qualität des Obstes muss vom Verbraucher anerkannt und bezahlt werden. Wenn die Verbraucher nur zu günstigerer ausländischer Importware greifen, geht das zu Lasten hiesiger Landwirte.

Wie bei Familie Lühs, so steht auch bei Familie Schliecker die junge Generation schon in den Startlöchern, den Obstanbau weiterzuführen. Die vielen Generationen, die der Betrieb schon besteht, zeigen: Obstbauern wirtschaften schon im eigenen Interesse nachhaltig. Denn die kommenden Generationen sollen ja auch von dem Land leben können. Am Beispiel des Pflanzenschutzes wird das deutlich: Mit moderner Technik wird sehr genau dosiert und nur die absolut nötige Menge Schutzmittel aufgebracht. Zwischen den 15 Jahre lang stehenden Bäumen können sich Gras- und Staudenfluren ansiedeln, die ein eigener Lebensraum für Pflanzen und Tiere sind.

Junge Generation steht schon in den Startlöchern

Obstbau gibt es in Niedersachsen nicht nur im Alten Land. Davon konnte sich Landesbischof Meister in Burgwedel auf dem Heidelbeerhof Henke überzeugen. Hier ist die junge Familie Henke mit Heidelbeeranbau durchgestartet, auf dem Betrieb, wo früher Milchvieh stand. Um damit weiterzumachen, wären große Investitionen nötig gewesen, und so fiel damals die Entscheidung, sich einen ganz neuen Betriebszweig aufzubauen. Heute sind die Heidelbeeren von Familie Henke in einigen Einzelhandelsgeschäften der Gegend zu finden, man kann sie auch direkt vom Hof kaufen oder sogar selber pflücken. Im Juli und August ist die Hauptsaison. 

Heidelbeeren sind Saisonfrüchte. Auch das wird durch Importe teilweise ausgehebelt. Mittlerweile kommen Heidelbeeren aus anderen Ländern nahezu das ganze Jahr über in den Handel. Hier sind die Verbraucher gefragt, auf regionale Produkte zu achten. Familie Henke hat mit einem ausgeklügelten und wassersparenden Tröpfchen-Bewässerungssystem, mit der Frostsprenkelanlage und Abdeckung der Pflanzflächen die Abläufe optimiert. Eine eigens für Heidelbeeren entwickelte Erntemaschine erleichtert und beschleunigt die Ernte ungemein. Trotzdem ist ein ganzes Team von Arbeitskräften vor allem in den Saisonmonaten nötig, so dass die Lohnkosten auch für sie eine Rolle spielen. Auf den Heidelbeerfeldern summt es von den Hummeln, die als Bestäuber unabdingbar sind, und von anderen Insekten. Auch Heidelbeeranbau geschieht in und mit der Natur.

Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung

Meister zeigte sich beeindruckt von der Innovationskraft und dem Verantwortungsbewusstsein der besuchten Familienbetriebe: „Die Gespräche haben deutlich gemacht, mit wie viel Fachwissen, unternehmerischem Mut und persönlichem Einsatz unsere Obstbäuerinnen und Obstbauern wirtschaften. Sie tragen Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung, für regionale Wertschöpfung und für die Versorgung der Menschen mit hochwertigen Lebensmitteln. Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich hier langfristiges Denken gelebt wird – über Generationen hinweg. Wer Obst anbaut, pflanzt nicht nur für die nächste Ernte, sondern gestaltet Zukunft. Diese Haltung verdient große Anerkennung und Unterstützung.“

Cornelia Möller