Pfarrerinnen und Pfarrer stehen in einer besonderen Verantwortung ihren Gemeindemitgliedern gegenüber. Daran hat am Sonntag der hannoversche Landesbischof Ralf Meister auch mit Blick auf Missbrauchsfälle in der Kirche erinnert.
Cuxhaven. In einem Festgottesdienst unter dem Titel „Der gute Hirte – 500 Jahre Reformation in Altenbruch und im Hadelner Land“ hat am Sonntag der hannoversche Landesbischof Ralf Meister in der evangelischen Kirchengemeinde St. Nicolai in Cuxhaven-Altenbruch gepredigt. Der Theologe griff dabei laut Predigtmanuskript das Bild des guten Hirten auf und übertrug es auf die Verantwortung von Pfarrpersonen, auch mit Bezug auf die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.
Es habe Hirten gegeben, die ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden seien, sagte Meister. „Wenn wir heute vom guten Hirten sprechen, dann können wir das nicht mehr naiv tun. Wir tun es im Wissen um diese Schuld.“ Anstelle von Begleitung sei Leid geschehen an Kindern und Jugendlichen, an Frauen und Männern. „Es gab und gibt Situationen, in denen Schuld nicht klar benannt wurde, in denen Täter geschützt und Betroffene nicht gehört wurden“, betonte der Theologe.
Das Bild vom guten Hirten selbstkritisch verwenden
Meister mahnte dazu, das Bild vom guten Hirten behutsam und selbstkritisch zu verwenden. Er selbst verfüge als Abt des Klosters zu Loccum über einen Hirtenstab, den er zweimal jährlich benutze. Der Stab strahle Autorität aus, solle aber ein Zeichen der Sorge, Fürsorge und Begleitung sein. So bleibe die Nutzung ambivalent und eigentümlich, betonte Meister. Für ihn sei der Hirtenstab eine gute Erinnerung, dass sich Menschen nicht über andere Menschen stellen dürften.