Der Theologe Jakob Kampermann (48) darüber, wie schön und zugleich vergänglich die Natur ist – und warum sie Gott keinesfalls egal sein kann.
Blumen blühen in allen erdenklichen Farben, die Tierwelt fasziniert Menschen von der Hauskatze bis zum seltenen Vogel in Afrika – und selbst Eiskristalle sehen aus wie Kunstwerke. Warum erfreut uns Gott mit so viel Schönheit?
Jakob Kampermann: Ich bin da auch oft sprachlos – nehme diese Schönheit aber gern wahr und erfreue mich wie viele Menschen daran. Genau diese Freude hat Gott uns damit geschenkt. Außerdem funktioniert die Natur ja auch besser, wenn sie optisch reizvoll ist. Bestimmte Blumen sind etwa besser sichtbar für Insekten, das schönere Federkleid macht die Balz erfolgreicher, im übertragenen Sinne gilt das auch für den Menschen: Alles funktioniert besser, wenn es schön ist.
Schönheit ist aber auch vergänglich, das wissen wir alle beim Blick in den Spiegel. Ist die ablaufende Uhr auch Teil des göttlichen Plans?
Kampermann: Gott macht eben alles – sowohl den Anfang als auch das Ende. Ich bin mir sicher: Die Vergänglichkeit ist auch Teil seines Plans mit dieser Erde. Die Pflanze stirbt irgendwann, aber auch durch den gerade noch gefrorenen Erdboden brechen wieder die Frühblüher.
In der biblischen Erzählung schuf Gott den Menschen zuletzt, nach den Pflanzen und Tieren. Sollte erst alles schön für uns sein, hat er sich das Beste für den Schluss aufgehoben oder ist der Mensch gar am Verzichtbarsten?
Kampermann: Die Bibel ist von Menschen geschrieben worden. Ich vermute, dass sie sich deshalb an den Schluss gestellt haben, um auszudrücken, dass sie selbst das Beste überhaupt sind, die Krone der Schöpfung. Ich kann aber nicht erkennen, dass diese Reihenfolge in der Natur existiert oder gar so vorgesehen ist. Auch wenn manche Menschen das gern so sähen.
Viele andere Menschen sind sehr davon bewegt, die Natur zu schützen und die menschliche Zerstörung einzudämmen. Ist Gott auch ein Umweltschützer?
Kampermann: Letztlich muss er das ja sein. Er hat schließlich alles gemacht – und dann kann es ihm ja auch nicht egal sein. Dafür hat er sich eindeutig zu viel Mühe gegeben.