Drei Fragen zu Ostern an Ellen Radtke, Pastorin in der St. Michaelis-Kirchengemeinde in Osnabrück und Influencerin auf YouTube und Instagram mit dem Kanal „AndersAmen“.
Auch 2026 wird wieder auf Karfreitag der Ostersonntag folgen. Warum feiern wir eigentlich jedes Jahr Ostern?
Ellen Radtke: Weil wir es ganz dringend brauchen. Viele Menschen haben ja mal einen toten Menschen angefasst. Dabei spürt man: Ja, der geliebte Mensch ist schon noch da, aber der Tod ist so krass real. Und genau deshalb brauchen wir Ostern: Weil dieses Fest lehrt, dass der Tod eben nicht das Ende ist. Und dass Menschen, die am Grab stehen und mit Toten reden, nicht unrecht haben – weil Gott dem Tod etwas entgegengesetzt hat.
Lässt sich diese Bedeutung von Ostern auch im Gemeindealltag erleben?
Radtke: Unbedingt. Es gibt viele Gottesdienste, die feiert man, weil eben Sonntag ist. An Ostern bin ich aber nicht nur als Pastorin, sondern besonders stark auch als Mensch dabei. Und so geht es offenbar vielen: Im letzten Jahr war unser Gemeindehaus an Ostern zu klein für das Kirchencafé. Auch auf Social Media merken wir, dass Leute unglaublich stark drauf anspringen, wenn man sich wirklich mit diesem Fest beschäftigt. Also eben nicht nur süße Häschen und Rezepte teilt. Wenn es um Leben und Tod geht, atmen viele spürbar auf und reagieren dankbar und intensiv.
Und ist für die Pastorin etwas dagegen einzuwenden, wenn Ostern nach Weihnachten und Geburtstag zum dritten Geschenk-Event wird?
Radtke: Klar – als Kapitalismus-Kritikerin könnte ich da einiges einwenden. Und wenn der Osterhase die Geschenke bringt, ist das auch irgendwie schräg. Aber als Christin sage ich: Klar! Wir feiern doch an Ostern auch ein riesiges Geschenk. Es wird wohl in Kirchen nie so viel geweint wie an Karfreitag und dem Ewigkeitssonntag. Ich kann den Karfreitag nur aushalten, weil ich weiß, dass der Ostersonntag kommt und mit ihm die Trotzdem-Party, weil Jesus auferstanden ist. Und da darf es dann auch gern Geschenke geben.